Referenzpunkte, sogenannte Landmarken, aufgetragen auf ein 3D-Schädelmodell einer Antilope
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Im heutigen Afrika ist die Savanne mit ihren Gras- und Waldflächen Lebensraum für viele verschiedene pflanzenfressende Säugetiere, wie zum Beispiel Antilopen, Giraffen, Zebras, Schweine, Elefanten, Nashörner und Flusspferde. Das gilt besonders für die letzten fünf Millionen Jahre, aus denen fast doppelt so viele fossile Arten bekannt sind. Die heutigen Spezies unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer Körpergröße und Fressstrategie, weil sie sich die zur Verfügung stehende Vegetation teilen. Wie jedoch so viel mehr Arten in der Vergangenheit nebeneinander existieren konnten, ist bisher noch nicht geklärt. Große ökologische Unterschiede zeigen sich insbesondere in der Form des Schädels. Das nutzen unsere Forscher, um herauszufinden wie Konkurrenz um die gleiche Nahrungsgrundlage die heutige ökologische Vielfalt gefördert haben könnte.

Unsere Forscher untersuchen nun Koexistenz einhergehend mit Konkurrenz am Beispiel afrikanischer Antilopen, denn diese Gruppe ist sehr vielfältig und gut über Fossilien bekannt. Tatsächlich zeigen Antilopen, die vor etwa fünf Millionen Jahren gelebt haben, nur wenige Unterschiede im Schädelbau, was darauf hindeutet, dass sich ihre Lebensräume und Ernährungsweise ähnelten. Seitdem entwickelte diese Gruppe aber eine verblüffende Vielfalt an Schädelformen, die unterschiedliche Ernährungsstrategien wiederspiegeln.

Um zu beurteilen wie Konkurrenz die Evolution von Antilopen beeinflusst haben könnte, erstellen unsere Forscher 3D Modelle von Schädeln verschiedener Arten mit Hilfe eines tragbaren Oberflächenscanners. Auf diese Modelle werden dann sogenannte Landmarken aufgetragen, Referenzpunkte, über die die Schädelform verglichen werden kann. Im Wissen um die evolutiven Verwandtschaftsverhältnisse fossiler und heutiger Arten, können wir die Veränderungen im Schädelbau über Jahrmillionen zurückverfolgen. Dabei würden große Unterschiede zwischen den zeitgleich existierenden Arten für zwischenartliche Konkurrenz als treibende Kraft für die Entwicklung verschiedener Schädelformen sprechen.

Seit langem wissen wir, dass Klimaveränderungen großen Einfluss auf die Evolution haben. Am Beispiel von Afrika wird dies durch den Wandel von Waldgebieten zu Graslandschaften innerhalb der letzten 5 Millionen Jahre sehr deutlich. Auch die Evolution des Menschen war von diesen Klima- und Umweltveränderungen maßgeblich beeinflusst. Im Gegensatz zu anderen Studien, welche sich primär auf evolutionären Wandel als Antwort auf Umweltveränderungen konzentrieren, fährt dieses Forschungsprojekt jedoch einen neuen Ansatz, über den auch unsere eigene Evolution im Lichte kompetitiver Beziehungen betrachtet werden soll.

Davon ausgehend, dass Afrika Zentrum für die Evolution des Menschen war, stellen wir uns die Frage, ob unsere Vorfahren die komplexen Wechselwirkungen zwischen den konkurrierenden Pflanzenfressern der afrikanischen Savanne möglicherweise negativ beeinflusst haben könnten. Dies ist mit dem Zeitpunkt relevant, ab welchem der frühe Mensch begann Fleisch zu essen, zunächst als Aasfresser und eventuell durch Stehlen von bereits durch Raubtiere erlegter Beute. Somit hilft diese Studie auch Antworten darauf zu geben, ob der Verlust der Vielfalt afrikanischer Pflanzenfresser während der letzten eine Million Jahre mit der Evolution des Menschen in Zusammenhang steht.

Laufzeit

01.12.2015 – 31.12.2018

Finanzierung

Deutsche Forschungsgemeinschaft - DFG