Schülerinnen betrachten ein Laborröhrchen, Experimente im MINT Schülerworkshop am Museum für Naturkunde
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Die neusten Verfahren der Gentechnologien bieten Gesprächsstoff. Von einflussreichen Genscheren ist die Rede, die in der Lage seien sollen, unser Bild von der Umwelt genauso zu beeinflussen wie sie unser Selbstverständnis in Bezug auf die Gattung Mensch umzukrempeln vermögen. Weil Verfahren, wie etwa CRISPR-CAS-9 potenziell Einfluss haben auf die Frage, wie wir uns zukünftig ernähren, wie wir Gesundheit und Krankheit definieren, allgemeiner: in welcher Welt wir leben wollen, ist das sogenannte Genome Editing nicht nur ein wissenschaftliches Spezialthema. Nicht zuletzt die Anschlussfähigkeit an lebensweltliche Fragen erfordert vielmehr eine Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Aushandlungsprozessen. Welche Rolle spielt etwa das Argument der „Natürlichkeit“, der „Unnatürlichkeit“? Welches der „Nützlichkeit“? Welche Gründe sind für Konsumenten ausschlaggebend? Welche für Patienten? Wie unterscheidet sich die aktuelle Debatte von den hitzigen Streitereien, die die Grüne Gentechnik auslöste?

Diese Fragen sind Gegenstand eines Forschungsprojekts am Museum für Naturkunde Berlin. Dieses Forschungsprojekt ist Teil des interdisziplinären und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbundprojekt GenomELECTION, das ethische, rechtliche und kommunikationswissenschaftliche Aspekte im Bereich der molekularen Medizin und Nutzpflanzenzüchtung in den Blick nimmt.

Das Teilprojekt am Museum für Naturkunde fragt nach dem Einfluss praktischer Erfahrungen auf die Wahrnehmung der Technologien. Aufschlussreich kann hierfür die aktive Do-It-Yourself-Biology-Szene sein, die jenseits der etablierten Wissenschaft Verfahren testet und Ergebnisse öffentlichkeitswirksam diskutiert. Mit der Entwicklung partizipativer Angebote stiftet das Projekt einen Raum für einen ergebnisoffenen Dialog zwischen wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Akteuren. Gemeinsam mit Prof. Tobias Nettke, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) und Mitglied des wissenschaftlichen Beratungsboards des Verbunds, wird die Veränderung des Wissens und der Wahrnehmung in Abhängigkeit von den Zugängen der Wissenschaftskommunikation einer Prüfung unterzogen.

Publikationen

  • Vohland, K., Diekämper, J., Moormann, A., Nettke, T., Rössig W. (2017) Vor welchen Herausforderungen steht der Diskurs mit der Öffentlichkeit über neue Ansätze der Genomeditierung? Forschung zu Vermittlung und Partizipation. Zeitschrift für Medizin-Ethik-Recht (ZfMER) 8(1) 33-42.
    Download (PDF, 905 KB)

Veranstaltungen

Eine Welt ohne Mücken?

Eine Welt ohne Mücken? Gene Drive und die neuen Methoden der Genomeditierung
09.10.2017, 19-21 Uhr, Musuem für Naturkunde Berlin
Eintritt frei, um Anmeldung wird gebeten

Der Sommer neigt sich dem Ende entgegen und damit eine Zeit, die neben all ihren Vorzügen auch eines kennt: Ein surrendes Störgeräusch, das nicht nur das Einschlafen verhindert, sondern auch in unseren Breitgraden ein – lediglich - juckendes Ende nimmt, blutsaugende Mücken. Als schlimmer gelten in subtropischen und tropischen Ländern Mücken, die zudem Krankheiten übertragen. Anlässlich der Olympischen Spiele 2016 grassierte entsprechend öffentlichkeitswirksam die Angst vor dem ZIKA-Virus. Ebenfalls durch Mücken übertragene Malariainfektionen oder Denguefieber stellen eine fortwährende Bedrohung dar. Grund genug, sich die Tiere vom Hals zu schaffen? Ideen hierzu gibt es seit Langem: Das bisherige Ausbringen von künstlich erzeugten sterilen Insekten zeitigte jedoch nur überschaubare, vor allem aber keine nachhaltigen Effekte.

Nun soll dieses Vorhaben mit der Genomeditierung, neuen Verfahren der Gentechnologie, wieder angegangen werden. Mücken sollen im Labor gentechnisch so verändert werden, dass sie ein „Sterilitätsgen“ tragen, das sich überproportional und dauerhaft in der Mückenpopulation durchsetzt, und dadurch die Mücken langsam, aber sicher aussterben lässt. Diese Verbreitung eines Gens außerhalb der Mendel’schen Vererbungslehre ist als „Gene Drive“ bereits experimentell untersucht und eröffnet ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn… wenn es tatsächlich möglich wäre, eine Welt ohne Mücken zu schaffen? Würde der menschgemachte Gene Drive das Ökosystem beeinflussen, mit welchen Folgen? Solche Überlegungen zeigen, dass die Methoden der Genomeditierung nicht allein zu den wissenschaftspolitischen heißen Eisen zählen. Sie betreffen uns vielmehr in ihrer Konsequenz alle. Ein Grund, uns schon heute mit einer Welt von morgen zu beschäftigen. Bringen Sie Ihr Smartphone mit, wir müssen reden.

Programm

  • Kurzvortrag: Was verstehen wir unter gene drive?
    Prof. Dr. Ernst Wimmer, Universität Göttingen, Entwicklungsbiologe, und Dr. Nikolai Windbichler, Imperial College London, führen gene drive-Experimente durch.
     
  • Anschließend gibt es eine Podiumsdiksussion mit:
    Prof. Dr. Ernst Wimmer - Leiter der Abteilung Entwicklungsbiologie an der Georg-August Universität Göttingen
    Dr. Nikolai Windbichler - Imperial College London, Faculty of Natural SciencesDepartment of Life Sciences
    Werner Schenkel - Abteilung  Gentechnik im Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
    Uta Eser - Umweltethikerin
    Christoph Then - TestBiotech/ Projektpartner GeneTest

Moderator: Joachim Müller-Jung - F.A.Z., Ressortleiter Natur und Wissenschaft

Anmeldung

Veranstalungssprache
Deutsch

Kooperationspartner

 

Schreibwerkstatt: Was wäre wenn....?

Schreibwerkstatt: Was wäre wenn….? Eine Kooperation mit der Hagenbeck-Oberschule
01.12.2017, 09-14 Uhr, Museum für Naturkunde Berlin

Ein Museum steckt voller Geschichten. Geschichten, von denen die Objekte Zeugnis ablegen. Das Museum für Naturkunde bietet mit seinen 30 Millionen Objekten aus Zoologie, Paläontologie, Geologie und Mineralogie einen besonders spannenden Ausgangspunkt ganz unterschiedlicher Erzählweisen.

Was sie neben ihren kuriosen, ihren wissenschaftlichen, ihren historischen Dimensionen zu bieten haben, das erkundeten SchülerInnen der Hagenbeck-Oberschule in einer von dem am Museum ansässigen Forschungsprojekt „GenomELECTION“ veranstalteten Schreibwerkstatt. Unter dem Motto „Was wäre wenn….“ stellten die Teilnehmenden ein Gedankenexperiment an: In einem solchen Gedankenexperiment wird gefragt, was wohl der Fall wäre, wenn die Dinge anders lägen als sie es tatsächlich tun.

Hierfür wurden zwei Fragen aufgegriffen, die aktuell Bestandteil einer Intervention in der Dauerausstellung sind: Vor dem Modell einer Stechmücke prangt die Frage „Eine Welt ohne Mücken?“, vor dem ausgestorbenen Beutelwolf: „Ausgestorbene Arten wiederbeleben?“. Während die Besuchenden des Museums diese Fragen auf einer Postkarte beantworten und in eine sogenannte „Meinungsbox“ werfen konnten, bildeten sie für die SchülerInnen Inspiration kreativen Schaffens, in denen mögliche Welten entworfen wurden.

Was hier innerhalb von vier Tagen entstand und in den schillerndsten Farben Kontur erhielt, unterschied sich erwartungsgemäß stark voneinander. Die Geschichten der SchülerInnen wechselten nicht nur die Perspektiven, sondern orientierten sich mal an Erzählweisen der Utopie oder Dystopie und schätzen die Kausalität des Einsatzes von Technologien ganz anders ein. Was die Geschichten allerdings verband, ist, dass sie deutlich machen, inwiefern die schreibende Auseinandersetzung mit einer möglichen zukünftigen Welt eine Konfrontation mit zentralen Fragen evoziert. So diskutierte die Gruppe im Anschluss an die Präsentation etwa Fragen von Gerechtigkeit oder Wohlergehen.

Einige der hier entstandenen Geschichten wurden aufgenommen und sind im Museum installierten Geschichtenzelt nachhörbar.

Kooperationspartner

Laufzeit

November 2016 - September 2019

Kooperationspartner

Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin)
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Finanzierung

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
DLR Projektträger
 

Sponsoren