Mineraliensammlung des Naturkundemusems Berlin, Einblick in eine Schublade der Privatsammlung von Peter S. Pallas (1741-1811)
Back to top

Die Mineraliensammlung umfasst ca. 180.000 Proben und beinhaltet rund 3.000 Mineralienarten, was rund 60 % aller bekannten Minerale entspricht. Sie ist die größte und artenreichste Mineraliensammlung Deutschlands und damit von vergleichbarer Bedeutung wie die Sammlungen anderer großer Naturkundemuseen Europas.

Die Sammlung blickt auf eine lange und lebendige Geschichte zurück. Der regionale Schwerpunkt der Sammlungsobjekte liegt auf Deutschland, Polen, dem Gebiet der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie und Russland.

Eine Auswahl der Sammlung mit ca. 4.300 Proben von 1.077 Mineralienarten ist im Mineraliensaal der öffentlichen Ausstellung zugänglich gemacht. Weiterhin ist eine Sammlung von Kristallmodellen, technischen Produkten und dazugehöriges Archivmaterial vorhanden. Auch eine Reihe von wissenschaftlich wertvollen Typproben gehört der Sammlung an. 

Digitalisierung

Die Minerale sind systematisch nach dem kristallchemischen System von Strunz aufgestellt. Innerhalb einzelner Minerale erfolgt die Anordnung regional. Alle Proben wurden ohne Rücksicht auf Vorbesitzer in die systematische Sammlung eingegliedert. Ca. 90 % der Proben sind in einem Datenbanksystem erfasst. Dieses enthält unter anderem Mineralnamen, Fundort, Fundjahr, Vorbesitzer, Art und Jahr des Erwerbs, Angaben zu den Etiketten und kristallographische Besonderheiten.

Das Museum für Naturkunde Berlin entwickelte im Rahmen des SYNTHESYS Projektes das „GeoCase“-Portal für europäische geowissenschaftliche Sammlungsdaten, in dem nach erfassten Proben recherchiert werden kann. Einige tausend Bilddaten der Sammlungsobjekte und historische Etiketten sind auf dem Portal Europeana zu finden.

Geschichte

Die Entstehung der Mineraliensammlung geht direkt auf die Gründung der „Berliner Bergakademie“ durch den preußischen König Friedrich II. (1712-1786) im Jahre 1770 zurück. 1781 wurde die Sammlung von Carl A. Gerhard (1738-1821), dem ersten Direktor der Bergakademie, für Lehrzwecke angekauft. Sie erhielt den Namen „Königliches Mineralienkabinett“. Die Sammlung vergrößerte sich rasch. Unter anderem der russische Zar Alexander I. (1777-1825) und Alexander von Humboldt (1769-1859) trugen mit Schenkungen zur frühen Sammlungsentwicklung bei.

1810 wurde die Sammlung der neu gegründeten „Berliner Universität“ übergeben und in „Mineralogisches Museum“ umbenannt. Die rasch fortschreitende Entwicklung der Mineralogie als Forschungszweig durch Martin H. Klaproth (1743-1817), Christian S. Weiss (1780-1856) und Gustav Rose (1798-1873) führte zu einem starken Bestreben, die Sammlung fortlaufend durch Ankäufe und Sammlungsübernahmen zu erweitern. 1889 erfolgte durch Carl Rumpff (1839-1889) die Schenkung der großen, ca. 14.000 Stücke umfassenden Mineraliensammlung des Erzherzogs Stephan von Österreich (1817-1867). Als das heutige Gebäude des Museum für Naturkunde im selben Jahr bezogen wurde, fand die Mineralogie im linken Teil des Vorderhauses ihren Platz, wo sie heute über 100 Jahre später immer noch zu finden ist.

Im Zweiten Weltkrieg hat die Mineralogische Sammlung Schäden durch einen Bombentreffer erfahren und die komplette ausgelagerte Schausammlung verloren. Dennoch konnte bereits 1954 der mineralogische Ausstellungssaal wieder geöffnet werden und begeistert Museumsbesucher bis heute. In den letzten Jahrzehnten wurden zahlreiche Mineralien aus den Bergbaugebieten von Erzgebirge, Vogtland, Thüringer Wald und Mansfelder Revier erworben.

Highlights

Uraninit, Torbernit, Uranopilit
Grube Georg Wagsfort, Johanngeorgenstadt, Erzgebirge, Sachsen, Deutschland
Größe 5 x 3 cm

Der Chemiker und Pharmazeut Martin H. Klaproth (1743-1817) führte in seiner Apotheke im heutigen Nikolaiviertel in Berlin zahlreiche zu damaliger Zeit extrem genaue Mineralanalysen durch und entdeckte dabei einige chemische Elemente wie Zirkonium, Uran, Strontium, Titan, Chrom und Cer. Das hier gezeigte Stück ist eine der Originalproben zur Entdeckung des Elements Urans im Jahre 1789. Zugleich konnte er nachweisen, dass es sich bei dem grünen Torbernit und gelben Uranopilit um Uranverbindungen handelt. Das Stück besitzt noch sein Originaletikett mit der Handschrift von Klaproth: “Grüner Uranglimmer, mit Pechuran, auf Uranocker, Georg Wagsfort zu Joh: Georgenstadt.”. Aufgrund ihrer Bedeutung wurde die Sammlung von Klaproth nach seinem Tod durch die Berliner Universität angekauft.

Uraninit, Torbernit, Uranopilit, Grube Georg Wagsfort, Johanngeorgenstadt, Erzgebirge, Sachsen, Größe 5 x 3 cm, Etikett 9 x 3 cm

Chalcedon, Hyalith
Penon, Sierra de la Guadelupe, Mexiko City, Mexiko
Größe 8 x 6 cm, Etikett 10 x 6 cm

Alexander von Humboldt (1769-1859) war Zeit seines Lebens ein wichtiger Spender von Mineral- und Gesteinsproben für das Königliche Mineralienkabinett und die spätere Mineraliensammlung der Berliner Universität. Dieses Stück hat er auf seiner Südamerika-Expedition (1799-1804) gesammelt und 1805 dem Königlichen Mineralienkabinett übergeben. Es besitzt noch das Originaletikett von Humboldt in französcher Sprache: „Mexique. Filons de Calcedonie et d'Haylite (Verre de Mueller) dans le Pechstein Porphyre de la Montagne de la Guadeloupe pres du Mexique a 1240 t.“ [Mexiko. Lagen von Chalcedon und Hyalith (Müllersches Glas) im Pechsteinporphyr des Berges Guadeloupe bei der Stadt Mexiko in einer Höhe von 1240 Toisen (=2420 m)].

Chalcedon, Hyalith Penon, Sierra de la Guadelupe, Mexiko City, Mexiko, Größe 8 x 6 cm, Etikett 10 x 6 cm, Museum für Naturkunde Berlin

Perowskit, Chlorit
Achmatowsche Grube, Achmatowsk, Slatoust, Ural, Russland,
Kantenlänge Perowskit-Kristall 7 mm

Dieses Stück wurde im Sommer 1839 in Berlin vom Oberbergmeister Kämmerer aus Sankt Petersburg an Gustav Rose (1798-1873) zur Untersuchung übergeben. Es war ein bislang unbekanntes Mineral, von dem Rose die physikalischen Eigenschaften und chemische Zusammensetzung bestimmte. Auf Vorschlag von Kämmerer benannte er es nach dem russischen Politiker und Mineralogen Graf Lew Alexejewitsch Perowski (1792-1856) und publizierte diese Ergebnisse im Jahr 1839 in Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie Band XXXXVIII. Das Stück ist damit der Holotyp für das Mineral Perowskit. Generell besitzen Typproben von Mineralen einen hohen wissenschaftlichen und wissenschaftshistorischen Wert, da die Anzahl bekannter Mineralarten mit ca. 5000 relativ gering ist.

Perowskit, Chlorit, Achmatowsche Grube, Achmatowsk, Slatoust, Ural, Russland, Kantenlänge Perowskit-Kristall 7 mm, Museum für Naturkunde Berlin

Forschung

Auf Anfrage beim Kustos, Dr. Ralf-Thomas Schmitt, ist die Sammlung für wissenschaftliches Arbeiten zugänglich. Das Material kann makroskopisch und stereomikroskopische im Mineralienmagazin bearbeitet werden. Dort steht ein temporärer Arbeitsplatz zur Verfügung. Für weiterführende Untersuchungen können nach Absprache die Labore der Abteilung „Globale Katastrophen“ genutzt werden.

Bibliothek

Die Präsenzbibliothek des Hauses beinhaltet unter anderem einen großen Teil an wissenschaftlichen Werken zur Mineralogie. Eine der Sammlung direkt angegliederte Bibliothek existiert nicht. Sammlungsbezogenes Archivmaterial, u.a. Sammlungslisten und Sammlungskataloge sind in der Sammlung untergebracht. Weiteres umfangreiches Archivmaterial der Sammlung und ihrer ehemaligen Direktoren befindet sich im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin.