Die Petrographisch-lagerstättenkundliche Sammlung des Museums für Naturkundemuseums Berlin die Teilsammlungen Regionale Petrographie,  Systematische Petrographie, Impaktkratergesteine, Geschiebe, Lagerstättenkunde und Dekorationsgesteine.
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Die Petrographisch-lagerstättenkundliche Sammlung umfasst rund 70.000 Gesteins- und Erzproben in den Teilsammlungen Regionale Petrographie,  Systematische Petrographie, Impaktkratergesteine, Geschiebe, Lagerstättenkunde und Dekorationsgesteine. Weiterhin sind auch Dünnschliffe, Anschliffe und optische Präparate von Gesteinen und Mineralien der Sammlung angegliedert. Die umfangreiche Sammlung von Impaktkratergesteinen mit ca. 5.000 Proben ist europaweit einzigartig und gehört weltweit zu den größten.

Digitalisierung

Zurzeit ist rund die Hälfte der Proben in einem Datenbanksystem erfasst. Der Bestand wird derzeit kontinuierlich erweitert. Die Teilsammlungen Systematischen Petrographie und Impaktkratergesteine sind bereits komplett elektronisch erfasst.

Das Museum für Naturkunde Berlin entwickelte im Rahmen des SYNTHESYS Projektes das „GeoCase“- Portal für europäische geowissenschaftliche Sammlungsdaten, in dem bereits erfasste Proben recherchiert werden können. Insbesondere historische Etiketten der Petrographisch-lagerstättenkundlichen Sammlung sind auf dem Portal Europeana zu finden.

Geschichte

Die Geschichte dieser Sammlung ist untrennbar verwoben mit der der Mineraliensammlung. Die ältesten Proben stammen von wissenschaftlichen Reisen und Expeditionen aus dem späten 18. und dem 19. Jh. und gehören der Regionalen Petrographie an. Es handelt sich vor allem um magmatische und metamorphe Gesteine aus Deutschland, Polen, Italien und Skandinavien. Aber auch Originalproben zur Russlandexpedition von Alexander von Humboldt, Gustav Rose und Christian G. Ehrenberg (1829), und zur geologischen Erforschung Südamerikas durch Friedrich Sellow (1882), Ignaz von Olfers (1882) oder Ludwig Brackebusch (1884) stellen wichtige historische Zugänge dar.

Die heutige Teilsammlung Systematische Petrographie wurde ursprünglich für Lehrzwecke aufgebaut und enthält Proben der wichtigsten magmatischen und metamorphen Gesteine. Die Geschiebe-Sammlung wurde von der Preußischen Geologischen Landesanstalt, später Reichsamt für Bodenforschung, kurz nach dem 2. Weltkrieg übernommen und enthält auch Proben des Pioniers der Geschiebekunde Julius Hesemann (1901-1980).

Die lagerstättenkundliche Sammlung wurde von dem Begründer der Erzmikroskopie Paul Ramdohr (1890-1985) mit Proben aus der Mineraliensammlung, durch eigene Aufsammlungen und durch Geschenke von Bergbaufirmen angelegt. Sie enthält Erzminerale, Erzproben und die dazugehörigen Gangarten von zahlreichen klassischen Erzlagerstätten aus aller Welt.

Die Sammlung von Impaktkratergesteinen weltweit ist neuester Glanzpunkt der Petrographischen-lagerstättenkundlichen Sammlung. Es sind Proben von 73 der 188 weltweit bekannten Impaktkrater vorhanden. Regionale Schwerpunkte sind das Nördlinger Ries in Süddeutschung und der Araguainha-Krater in Brasilien.

Highlights

Suevit
Aumühle, Oettingen, Bayern, Deutschland
Größe 17 x 13 cm

Suevit ist ein charakteristisches Trümmergestein, das beim Einschlag von kosmischen Projektilen auf der Erde entstehen kann. Es enthält sowohl Mineral- und Gesteinsfragmente unterschiedlichster Gesteine des Krateruntergrundes in unterschiedlichster Druckbeanspruchung, als auch komplett aufgeschmolzene Gesteinsgläser. In den Bestandteilen des Suevits lassen sich Stoßwelleneffekte und Hochdruckphasen nachweisen, die zur eindeutigen Identifizierung von Impaktkratern notwendig sind. Der hier gezeigte Suevit stammt aus dem Nördlinger Ries, einem ca. 14,6 Millionen Jahre alten Impaktkrater in Süddeutschland mit einem Durchmesser von ca. 22 km. Dieses Stück wurde im Rahmen von Forschungsarbeiten an der Universität Münster gesammelt. Mit dem Wechsel von Dieter Stöffler an das Museum für Naturkunde zog dieser Suevit 1993 zusammen mit weiteren 600 Impaktkratergesteins-Proben nach Berlin und bildet den Grundstock der zu diesem Zeitpunkt etablierten Impaktkratergesteins-Sammlung.

Der gezeigte Suevit des Museums für Naturkunde Berlin ist ein Impaktkratergestein aus dem Nördlinger Ries, das beim Einschlag von kosmischen Projektilen entstehen kann. In den Bestandteilen  lassen sich Stoßwelleneffekte und Hochdruckphasen nachweisen.

Gneis
Ben Nevis, Fort William, Schottland, Großbritannien
Größe 8.5 x 7 cm, Etikett 5 x 4 cm

Carl von Oeynhausen (1795-1865) und Heinrich von Dechen (1800-1889) führten von September 1826 bis November 1827 im Auftrag der Oberberghauptmannschaft in Berlin eine Studienreise nach England durch. Hauptziel dieser Reise war das Sammeln von Informationen über den Steinkohlenbergbau und das Transportwesen. Allerdings führten beide auf dieser Reise nebenbei auch geowissenschaftliche Untersuchungen durch und sammelten Minerale, Gesteine und Fossilien. Beide bestiegen am 4. Juli 1827 den Ben Nevis in Schottland, führten dabei geologische Untersuchungen durch und sammelten die gezeigte Gneis-Probe. Zusammen mit weiteren ca. 4000 Proben dieser Studienreise gelangte diese 1827 an die Berliner Universität und wurde in einem handschriftlichen Sammlungskatalog erfasst. Heute befindet sich dieser Gneis in der Sammlung Regionale Petrographie.

Dieser Gneis stammt aus einer Studienreise von Carl von Oeynhausen und Heinrich von Dechen  aus den Jahren 1826 bis 1827 mit Zielort England und Schottland. Heute befindet sich dieser Gneis in der Sammlung Regionale Petrographie des Museums für Naturkunde

Meta-Konglomerat, Pyrit
South Deep Mine, Westonaria bei Johannesburg, Gauteng, Südafrika
Größe 21 x 22 cm

Dieses Stück zeigt ein metamorphes Konglomerat mit großen Quarzgeröllen, dessen Grundmasse mit Pyrit vererzt ist. Es stammt aus einer fossilen Seifenlagerstätte aus dem Archaikum mit einem Alter von ca. 2,9 Milliarden Jahren. Diese Seifenlagerstätte im Witwatersrand-Becken in Südafrika ist aufgrund ihrer Gold- und Urangehalte von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. Allein aus dieser Lagerstätte stammen ca. 50 % des gesamten bisher produzierten Goldes und sie besitzt auch die größten bekannten Goldreserven der Erde. Dieses Meta-Konglomerat wurde 2003 von Wolf U. Reimold dem Museum für Naturkunde übergeben und ist heute Bestandteil der Lagerstättenkundlichen Sammlung.

Dieses Stück zeigt ein metamorphes Konglomerat der Lagerstättenkundlichen Sammlung des Museums für Naturkunde Berlins mit Quarzgeröllen, dessen Grundmasse mit Pyrit vererzt ist. Es stammt aus einer Seifenlagerstätte im Witwatersrand-Becken, Südafrika.

Forschung

Die Teilsammlung Impaktkratergesteine ist eng mit der Abteilung „Globale Katastrophen“ des Museums verknüpft und wird zurzeit für die Erforschung von Einschlagereignissen und ihren Auswirkungen genutzt. Generell ist die Sammlung offen für Forschungsinteressierte. Das Sammlungsmaterial kann vor Ort makroskopisch und stereomikroskopische bearbeitet werden. Für weiterführendeUntersuchungen können nach Absprache die Labore der Abteilung „Globale Katastrophen“ genutzt werden. Als Ansprechpartner steht Ihnen gerne der Kustos der Sammlung, Dr. Ralf-Thomas Schmitt, zur Verfügung.

Bibliothek

Eine der Sammlung direkt angegliederte Bibliothek gibt es nicht. Sammlungsbezogenes Archivmaterial, u.a. Sammlungslisten und Sammlungskataloge ist aus historischen Gründen in der Mineraliensammlung untergebracht, weiteres umfangreiches Archivmaterial der Sammlung und ihrer ehemligen Direktoren befindet sich im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin.