Nach zwei Wochen fallen die Minisensoren von selbst ab. Foto: Simon Ripperger/Museum für Naturkunde Berlin
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Ihre Opfer werden von ihr gebissen und ihr Blut dient als Nahrung, aber gegenüber ihren Artgenossen zeigt sie sich sozial. Ein Team um Projektleiter Simon Ripperger erforscht das Sozialverhalten der Vampirfledermaus Desmodus rotundus.
„Der Gemeine Vampir verhält sich kooperativ, auch gegenüber nicht verwandten Artgenossen“, sagt der Biologe. Ein ungewöhnliches Verhalten, das evolutionär hochinteressant sei.
Sein Projektpartner Gerald Carter hielt über zwei Jahre 40 Fledermausweibchen. Bereits bekannt war, dass Vampirfledermäuse sich ausschließlich von Blut ernähren und dieses für ihren Nachwuchs wieder hervor würgen. Carter isolierte einzelne Tiere bei Nahrungsentzug, um sie danach wieder in die Gruppe zu setzen. Dabei untersuchte er das Teilen von Blut und gegenseitige Fellpflege sowohl mit verwandten als auch mit unverwandten Tieren. Über zwei Jahre beobachtete und dokumentierte Carter die entstehenden sozialen Bindungen.

Stabilität von Bindungen

Ripperger untersuchte in seinem Projekt, wie sich diese sozialen Bindungen nach der Käfighaltung entwickelten. Dazu befestigte sein Team Sensoren an 23 Tieren von Carter sowie an 27 weiteren, die aus einer Kolonie gefangen wurden. Alle Tiere wurden zurück in ihr Koloniequartier gesetzt, einen Baum auf einer Viehweide in Panama, und ihre Bewegungen über zwei Wochen automatisiert aufgezeichnet. „Wir wollten wissen, ob die in Gefangenschaft aufgebauten Bindungen auch nach einer massiven Störung erhalten bleiben. Dies würde bedeuten, dass Vampirfledermäuse stabile Bindungen ähnlich zu menschlichen Freundschaften entwickeln“, sagt Ripperger.
Durch genetische Untersuchungen stellte das Forschungsteam fest, ob und wie die Vampirfledermäuse untereinander verwandt waren. Die Sensoren erfassten, welche Tiere sich nebeneinander aufhielten.

Soziale Netzwerke

Die erhobenen Daten und die so beobachteten soziale Netzwerke glich das Team mit zufällig generierten Netzwerken ab. Dabei konnten sie die Netzwerke aus der Wildnis anhand der Kooperations-Netzwerke aus Gefangenschaft vorhersagen. Die Daten dienen auch für eine zukünftige Analyse des sozialen Jagdverhaltens der Vampirfledermäuse.
Simon Ripperger ist Teil der Forschergruppe BATS und kooperierte in seinem Teilprojekt mit dem Smithsonian Tropical Research Institute, von dem das Projekt gefördert wurde.

Kooperationspartner

Gerald Carter (PhD), Ohio State University

Rachel Page (PhD), Smithsonian Tropical Research Institute

Finanzierung

Deutsche Forschungsgemeinschaft - DFG

Smithsonian Tropical Research Institute

National Geographic Society