Die Tonbänder des Tierstimmensammlers Hans Lütgens. Foto: Karl-Heinz Frommolt/Museum für Naturkunde Berlin
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Digitalisierung und Erschließung der Tierstimmensammlungen von Erwin Tretzel (1920-2001) und Hans Lütgens (1920-1987)

Das Tonbandgerät funktioniert noch einwandfrei. Es wurde als eines der letzten in den 1990er Jahren hergestellt. Die Bänder sind noch älter, einige stammen aus den 1960ern. Doch die Aufnahmen sind von hoher Qualität. Im Museum für Naturkunde Berlin retten Forschende sie ins digitale Zeitalter.

195 Stunden Vogelstimmen

Erwin Tretzel und Hans Lütgens haben zu ihren Lebzeiten große Sammlungen von Tierstimmen zusammengetragen, zum größten Teil auf Tonband. „Solche Sammlungen analoger Tonaufzeichnungen würden ohne Konservierungsmaßnahmen unwiderruflich verloren gehen“, sagt Karl-Heinz Frommolt, Projektleiter am Museum für Naturkunde Berlin. Die Abspielgeräte werden seit bald 30 Jahren nicht mehr gebaut und laufen auch bei guter Pflege nicht unbegrenzt.

Am Museum wurden die Tonbänder digital gesichert. Diese Arbeiten sind beim großen Umfang des Materials zeitaufwändig und erfordern begleitende Recherchen der notwendigen Zusatzinformationen wie Ort und Zeitpunkt der Aufnahmen und die Zuordnung der Tierstimmen.

Die Tonaufzeichnungen von Erwin Tretzel wurden komplett digitalisiert: insgesamt 685 Spulenmagnetbänder mit 195 Stunden Audiomaterial mit Vogelstimmen. Von Hans Lütgens wurden 162 Spulentonbänder und 82 Audiokassetten digital gesichert und mit Zusatzinformationen aufgearbeitet. Über eine Datenbank sind die digitalisierten Aufnahmen frei zugänglich – barrierefrei, was Lütgens auch ein persönliches Anliegen war.

Der Gesang des Zwergsumpfhuhns

Hans Lütgens (1920 bis 1987) war seit seiner Kindheit blind und beim Erstellen der Aufnahmen allein auf sein Gehör angewiesen. Ein Großteil entstand in Zoologischen Gärten in Deutschland. Lütgens reiste aber auch nach Namibia, Argentinien, Israel und Indien um Tierstimmen aufzuzeichnen. Er vermachte seine Sammlung dem Museum Alexander Koenig in Bonn, das sie im Jahr 2013 dem Museum für Naturkunde Berlin übergab. Darunter waren auch besondere Aufnahmen: „In einem Fall wissen wir sicher, dass es die erste Aufnahme des Gesanges einer Art ist“, sagt Frommolt. Bis Lütgens die Aufnahme eines Zwergsumpfhuhns gelang, kursierte die Aufzeichnung des Gesangs einer anderen Art, des Kleinen Sumpfhuhns, unter falschem Namen.

Erwin Tretzel (1920-2001) war Professor für Zoologie an der Universität Trier-Kaiserslautern. Seine Tierstimmensammlung, vor allem Vogelstimmen, die er seit den 1960er Jahren auf Spulentonband aufgezeichnet hatte, wurde 2008 dem Tierstimmenarchiv des Museums für Naturkunde übergeben. Das Museum erhielt zudem seine handschriftliche Dokumentation. „Seine Sammlung ist noch nicht vollständig zugänglich gemacht worden, da liegt noch Arbeit vor uns“, sagt Frommolt.

Das Tierstimmenarchiv des Museums für Naturkunde gehört mit mehr als 120.000 Einzelaufnahmen zu den umfangreichsten Tierstimmensammlungen der Welt. Es wird für wissenschaftliche Untersuchungen zur Biodiversitätsforschung und auch als Quelle für Bildung und kulturelle Einrichtungen genutzt.


Laufzeit:

01.01.2014 - 31.12.2015

Finanzierung:

digiS Servicestelle Digitalisierung, Förderprogramm Digitalisierung des Landes Berlin