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Seit rund 200 Jahren werden Schweine durch die Auswahl von Tieren mit gewünschten Merkmalen gezüchtet. Aber was der Mensch wirklich aktiv am Schwein verändert hat und was schlicht durch den Wegfall eines Lebens in der freien Wildnis und eher zufällig entstanden ist, wird im Verbundprojekt „Sus100“ untersucht.

„Vor 100 Jahren gab es bereits die heute bekannten Rassen, aber damals setzte erst die intensive Zucht ein“, sagt Forschungsprojektleiter Frieder Mayer vom Museum für Naturkunde Berlin. Während die Anfänge der Schweinezucht und ihre Folgen für die Tiere bereits gut erforscht sind, fehlen vergleichbare Erkenntnisse über die Veränderungen der Schweine im vergangenen Jahrhundert.  Für die morphologische Untersuchung heutiger Tiere, die dreidimensionale Vermessung ihrer Skelette, werden 60 Schweineskelette präpariert. 20 stammen von Wildschweinen aus der Region Berlin und je 20 von Tieren der Rassen „Deutsches Landschwein“ und „Deutsches Edelschwein“. Die präparierten Knochen werden an der Universität Halle mit modernen bildgebenden Verfahren gescannt, sodass selbst feine Unterschiede zu alten Skeletten erkennbar werden.

Im zweiten Teil wird das Erbgut analysiert, das aus rund 100 Jahre alten Schweineschädeln gewonnen wird. Schwierigkeiten dabei sind der altersbedingte Zerfall der Erbsubstanz, die nur in Bruchstücken vorliegt, und mögliche Verunreinigungen mit neuer Erbsubstanz, etwa von Bakterien oder Pilzen, die die Analyse erschweren. Das Auslesen des Erbguts erfolgt am Berlin Center for Genomics in Biodiversity Research, die Auswertung der umfangreichen Daten mit dem Hochleistungsrechner des Museums für Naturkunde.

Die historischen Skelettpräparate der Haustierrassen stammen aus der Sammlung des Museums für Haustierkunde „Julius Kühn“ der Universität Halle. Die 100 Jahre alten Skelette von Wildschweinen sind Teil der Sammlung des Museums für Naturkunde Berlin. „Es gibt weltweit kaum Sammlungen historischer Schweine und der Vergleich heutiger Schweine mit Tieren von vor 100 Jahren ist der wesentliche Teil des Projektes“, sagt Mayer.

Die Forschenden haben bereits festgestellt, dass es nicht nur rassentypische Unterschiede gibt, sondern dass auch die Variabilität innerhalb der Haustierrassen noch vergleichbar groß ist wie beim wilden Verwandten. Selbst die intensive Zucht hat bislang nicht zu einer starken Verarmung der genetischen Vielfalt geführt. Dennoch wurden Zuchtziele erreicht: Früher wurden vor allem Fettschweine gezüchtet, heute ist mageres Fleisch viel gefragter und die Züchter liefern. Im Projekt wird auch untersucht, wo sich diese Veränderungen im Erbgut wiederfinden.

Laufzeit

01.02.2017 – 31.01.2020

Finanzierung

Bundesministerium für Bildung und Forschung - BMBF