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Buch über die Wissenschaft der Bürgerwissenschaft

Mikrometeorite Citizen Science

Presseinformation, 12.01.2021

Heute wurde das Buch „The Science of Citizen Science“ open access veröffentlicht, zu dem über 100 Autorinnen und Autoren aus 22 Ländern beigetragen haben. Erste Herausgeberin des Buches ist Dr. Katrin Vohland, die vom Museum für Naturkunde Berlin aus die vergangenen Jahre die europäischen Citizen Science Aktivitäten geleitet und verwaltet hat. Das Buch richtet sich an die internationale Citizen Science Community, die Praktikerinnen und Praktiker und insbesondere die Universitäten. Es soll ihnen erleichtern, einzelne Teile in ihr Curriculum zu übernehmen oder Professuren für Citizen Science einzurichten.

„Citizen Science-Projekte und die Forschung zu dieser Form von Kollaboration zwischen Gesellschaft und Wissenschaft spielt für uns am Museum und international eine große Rolle“, so Dr. Susanne Hecker, Leiterin der deutschen Citizen Science-Plattform Bürger schaffen Wissen am Museum und erste Vorsitzende von ECSA, dem europäischen Verein für Citizen Science. Susanne Hecker ist darüber hinaus im Aufbau des Citizen Science-Kompetenzzentrums am Museum für Naturkunde Berlin tätig.

„Dieses Buch ist ein wunderbarer Abschluss von vier Jahren intensiven Austausches im Rahmen eines europäischen Forschungsnetzwerkes zu Bürgerforschung und zugleich ein Anfang, da es in seiner curriculumartigen Struktur Universitäten und anderen die Möglichkeit gibt, sowohl die inhaltlichen Beiträge zur Forschung als auch den gesellschaftlichen Mehrwert von Citizen Science zu reflektieren“, so Katrin Vohland, heutige Generaldirektorin des Naturhistorischen Museums Wien und erste Herausgeberin des Buches. Darüber hinaus bietet das Buch praktische Unterstützung zur Umsetzung von Projekten und adressiert auch neu aufkommende Themen wie beispielsweise Citizen Science und Künstliche Intelligenz.

Bürgerforschung heißt, dass sich Menschen, die nicht als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler angestellt sind, an Forschung beteiligen können. Als solche hat Bürgerforschung eine sehr lange Tradition, viele Sammlungen von naturkundlichen Museen gehen beispielsweise auch auf bürgerliches Engagement zurück, und auch heute überwiegt die Beteiligung an naturwissenschaftlichen Fragestellungen. Viele Menschen engagieren sich, um Wissen über Tier- und Pflanzenarten zu vermehren oder Mikrometeorite zu suchen. Citizen Science wird zunehmend von der politischen Ebene wahrgenommen und spielt entsprechend in nationalen Bildungsoffensiven und auch in der europäischen Forschungs- und Innovationspolitik eine immer größere Rolle.

Es gibt allerdings verschiedene Rahmenbedingungen, damit Citizen Science die vielen Erwartungen auch erfüllen kann. Im Rahmen der COST (Cooperation in Science and Technology in Europe) Action Citizen Science to promote creativity, scientific literacy, and innovation throughout Europe haben Forschende, Praktiker und Vertreter verschiedener Organisationen Fragen zu Citizen Science diskutiert und im Rahmen von Workshopberichten, Guidelines und wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht. Die Gesamtheit der Ergebnisse wurden in dem Buch „The Science of Citizen Science“ open access veröffentlicht.

Im einleitenden Teil wird die Frage nach einer Definition gestellt und herausgearbeitet, dass verschiedene Akteure unterschiedliche Interessen mit ihrer Definition verfolgen, seien es Forschende oder Geldgeber. Auch die verschiedenen Perspektiven und Funktionen in den Ländern Europas gilt es zu berücksichtigen.

Im ersten Teil wird diskutiert, welchen Beitrag Citizen Science in den Natur-, Kultur- und Sozialwissenschaften leisten kann und wie die Rahmenbedingungen dafür aussehen. Dazu gehören beispielsweise auch ethische Aspekte, die den Umgang mit Daten und Persönlichkeitsrechten umfassen.

Der zweite Teil befasst sich mit den gesellschaftlichen Implikationen und der Gestaltung der Zusammenarbeit von professionellen – bezahlten – Forschenden und den ehrenamtlichen. Dabei wird zum einen ein Augenmerk auf die Zusammensetzung der Citizen Scientists geworfen und Vorschläge gemacht, wie Inklusion und Diversität erhöht werden können. Im Hinblick auf die Schnittstelle zur Politik wird zwischen policies – also inhaltlichen wissenschaftlichen Beiträgen von Citizen Science, politics als Veränderung von Prozessen wie beispielsweise Stakeholder-Einbindung und polity als institutionelle Wechselwirkungen wie beispielsweise die Umsetzung von Responsible Research and Innovation (RRI) unterschieden.

Im dritten Teil werden praktische Instrumente vorgestellt und diskutiert. Dazu gehört ein Überblick über die verschiedenen Citizen Science Plattformen in Europa, darunter auch www.buergerschaffenwissen.de. Last not least wird die Frage angegangen, wie Citizen Science evaluiert werden kann – für die Beteiligten, für die Wissenschaft und die Gesellschaft als Ganzes.

Über 100 Autorinnen und Autoren haben sich am Schreiben und auch am Qualitätssicherungsprozess beteiligt. Alle Kapitel wurden von mindestens zwei anderen Autorinnen oder Autoren gelesen und in verschiedenen Gruppen diskutiert. Dies diente sowohl der Vollständigkeit und der Vermeidung von Überschneidungen, als auch der inhaltlichen und wissenschaftlichen Stringenz. Das Feld der Forschung über Citizen Science ist neu und am Wachsen, so dass in den nächsten Jahren mit einigen neuen Kapiteln zu rechnen ist.

Weblinks:

Open Access Publikation des Buches: The Science of Citizen Science bei Springer

COST Action 15212: Citizen Science to promote scientific literacy, and creativity throughout Europe