htwBerlin_vertragsunterzeichnung_c_hwa_ja-goetz_mfn.jpg
Back to top

Das Museum für Naturkunde Berlin (MfN), ein Forschungsmuseum der Leibniz-Gemeinschaft, und die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin haben einen Kooperationsvertrag unterschrieben. Die Vertragspartner werden sich noch stärker vernetzen, indem sie ihre Potenziale in Forschung und Lehre bündeln. Gemeinsames Ziel ist es, eine leistungs- und wettbewerbsfähige Plattform für Lehre, Forschung und Technologietransfer zu schaffen. Über die bereits erfolgte Zusammenarbeit hinaus soll insbesondere die Expertise der HTW Berlin auf dem Gebiet des Bau- und Facility Managements für die geplanten Baumaßnahmen im Rahmen der Umsetzung des Zukunftsplanes am MfN genutzt werden.

In den kommenden zehn Jahren wird das Museum für Naturkunde Berlin (MfN) gemeinsam mit der Humboldt-Universität zu Berlin einen Wissenschaftscampus für Natur und Gesellschaft in der Mitte des Wissenschaftsstandortes Berlin entwickeln. Es werden neue Labore und Arbeitsplätze für Spitzenforschung geschaffen. Gleichzeitig wird eine der weltweit umfassendsten naturhistorischen Sammlungen mit über 30 Millionen Objekten in modernen Sammlungsgebäuden untergebracht und dabei komplett digitalisiert. Für die Besucherinnen und Besucher entstehen neue Ausstellungsräume, die die Vielfalt der Natur und gleichzeitig die Forschung für Natur zeigen. Außerdem sind Tagungs- und Veranstaltungsräume für die Wissenschaftskommunikation geplant. Ziel ist es, eine zukunftsorientierte Forschung und einen wirkungsvollen Wissenstransfer an einem Ort zu schaffen, um die demokratische Wissensgesellschaft zu stärken.

„Die Umsetzung des Zukunftsplanes, gefördert mit insgesamt 660 Millionen Euro vom Bund und Land Berlin mit dem Naturkundemuseum als Herz des Wissenschaftscampus, gelingt nur mit starken interdisziplinären nationalen und internationalen Partnerschaften. Daher freuen wir uns über die Unterzeichnung des Kooperationsvertrages mit der HTW Berlin“, so der Generaldirektor des Museum für Naturkunde Berlin, Johannes Vogel. „Die HTW Berlin hat eine große Expertise auf dem Gebiet des Bau- und Facility Managements. Für die im Rahmen des Zukunftsplanes geplanten Baumaßnahmen wird die Zusammenarbeit mit der HTW Berlin in gut strukturierten Projekten wie beispielsweise der Erfassung des Gebäudebestandes mit digitalen Methoden für die Liegenschaft Invalidenstraße 42/43 oder die Strategieentwicklung für ein Facility Management vertieft“, so der Geschäftsführer des Museums, Stephan Junker.

"Wissenschaft, Forschung und Entwicklung basieren auf Austausch und Zusammenarbeit“, ergänzt der Präsident der HTW Berlin, Carsten Busch. „Die HTW Berlin und das Naturkundemuseum kooperieren bereits seit vielen Jahren in den verschiedensten Bereichen bei Projekten, Praktika und inhaltlichen Austauschbeziehungen. Deshalb freut es mich umso mehr, dass wir mit dem jetzt unterzeichneten Vertrag unsere Zusammenarbeit noch intensiveren können. Wir werden nicht nur im Bereich des Facility Management kooperieren, sondern auch in verschiedenen inhaltlichen Feldern wie der Museumskunde oder der Digitalisierung. Ich danke dem Naturkundemuseum für die Initiative zum Abschluss der Kooperationsvereinbarung und freue mich für die HTW Berlin auf viele spannende gemeinsame Aufgaben.“

Die HTW Berlin kann große Erfolge auf dem Gebiet des ökologischen Bauens, der Nutzung regenerativer Energien und von Building Information Modeling vorweisen. Hierbei werden 3D-Modelle beispielsweise von Räumen geschaffen, die zur Simulation vom Energieverbräuchen oder zur Ausstellungskonzeption und Wegeführung genutzt werden können. Nach Abschluss der baulichen Maßnahmen können diese Modelle in das Facility Management überführt werden und so den Betrieb der Liegenschaft langfristig erleichtern. Die vorzeitige Erfassung von Gebäudeteilen des Bestandes mit digitalen Methoden kann für notwendige Abstimmungen, z.B. mit der Denkmalschutzbehörde, dienen. Bei der Strategie- und Konzeptionsentwicklung mit der HTW Berlin profitieren beide Partner, da Werkstudierende oder Praktikanten und Praktikantinnen der HTW Berlin ihre Arbeit im MfN durchführen können.

Hintergrundinformationen zu bereits langjährig bestehender Zusammenarbeit

Das Museum für Naturkunde Berlin und die HTW Berlin arbeiten bereits seit vielen Jahren eng zusammen, zum Beispiel in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekt GenomELECTION. Die neuesten Verfahren der Gentechnologien, wie etwa CRISPR-CAS-9, haben potenziell Einfluss auf die Frage, in welcher Welt wir leben wollen. Das Forschungsprojekt Genome Editing ist Teil des interdisziplinären Verbundprojekt GenomELECTION, das ethische, rechtliche und kommunikationswissenschaftliche Aspekte im Bereich der molekularen Medizin und Nutzpflanzenzüchtung in den Blick nimmt. Das Teilprojekt am Museum für Naturkunde Berlin fragte nach dem Einfluss praktischer Erfahrungen auf die Wahrnehmung der Technologien. Mit der Entwicklung partizipativer Angebote stiftete das Projekt einen Raum für einen ergebnisoffenen Dialog zwischen wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Akteuren. Gemeinsam mit Prof. Tobias Nettke (HTW Berlin), Mitglied des wissenschaftlichen Beratungsboards des Verbunds, wurde die Veränderung des Wissens und der Wahrnehmung in Abhängigkeit von den Zugängen der Wissenschaftskommunikation überprüft.

Eine Zusammenarbeit mit der HTW Berlin erfolgte auch im Drittmittelprojekt „Besucherpartizipation im Museum für Naturkunde zur Förderung von Wissenschaftskommunikation und Wissenstransfer“, gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Hier wurden partizipative Prozesse und Werkzeuge entwickelt und untersucht, die die Einbindung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen in wissenschaftliche Prozesse und Diskurse ermöglichen. In Workshops mit Museumsmitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Besucherinnen und Besuchern sowie externen Fachleuten wurden seit Beginn des Projektes Formate und Einsatzmöglichkeiten partizipativer Tools wie ein Geschichtenzelt, Meinungsboxen sowie eine Aktion zur Benennung einer neu entdeckten Tierart entwickelt. Im Rahmen von Praxisprojekten wurde die Nutzung der partizipativen Formate und Werkzeuge durch Studierende des Masterstudiengangs Museumsmanagement und -kommunikation der HTW Berlin wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Die Ergebnisse des Projekts bilden die Basis für das Experimentierfeld für Partizipation und Offene Wissenschaft, in dem das Museum neue Formate für den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit schafft, die Öffnung von Wissenschaft vorantreibt und einen Raum für Austausch bietet.