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Jürgen Fiebig und Robert Stein, Präparatoren des Museums für Naturkunde Berlin, holten bei der soeben zu Ende gegangenen 10th Open European Taxidermy Championships in Oulu / Finnland 2 Europatitel und 3 Sonderpreise. Die handwerklich herausragende Präparation eines südamerikanischen Helm-Hokkos mit Küken und eines Helmkasuars überzeugten die internationale Jury und kürten Jürgen Fiebig zum Europameister und Robert Stein zum Vize-Europameister.

„Präparatoren studieren die Spezifik einer Vogelart, die arttypische Sitzhaltung, das Verhalten, die Lage der Federn in bestimmten Situationen und präparieren danach den Vogel. Dabei sind dem Präparator bestimmte Gestaltungs- und Interpretationsfreiräume gegeben.“ so Jürgen Fiebig. „Man muss verstehen, was im Inneren des Vogels passiert, wie die Anatomie des Tieres ist“, ergänzt Präparator Stein. „Die Konkurrenz ist groß. Gewinnen kann nur, wer bis in die letzte Krallenspitze und bis in die letzte Federspitze exakt arbeitet.“

Dass dies bis zur Perfektion gelungen ist, zeigen die Auszeichnungen, die beide Präparatoren mit nach Berlin brachten. Jürgen Fiebig erhielt den Titel Europameister (Best of Europe) sowie den ETF – Award und den Most Expressive Pose Award für das Exponat eines südamerikanischen Helm-Hokkos mit Küken (Pauxi pauxi). Der zu den Hühnervögeln gehörende nördliche Helmhokko ist vom Aussterben bedroht und kommt nur noch in kleinen Verbreitungsgebieten in Kolumbien und Venezuela vor. Die Art besiedelt vorzugsweise kühle Nebelwälder. Der Helmhokko ist durch einen leuchtend blauen, feigenförmigen Hornaufsatz auf der roten Oberschnabelbasis gekennzeichnet. Die jungen Nestflüchter sind zunächst in ein hellbraun und schwarz gemustertes Dunenkleid gehüllt und werden von der Mutter liebevoll mit Futter versorgt.

Robert Stein wurde Vizeeuropameister (Second Best of Europe) für das Exponat eines Helmkasuars (Casuarius casuarius) und errang den 2. Preis in der Kategorie „ Excellence” (Second Place Award of Excellence) mit dem Exponat balzender Goldfasane (Chrysolophus pictus). Der zu den Laufvögeln gehörende Helmkasuar ist mit bis zu 1,70 Meter Höhe der drittgrößte heute noch lebende Vogel weltweit. Helmkasuare haben ein helmartiges, mit Horngewebe überzogenes Gebilde auf dem Kopf, das vermutlich zum Schutz dient, wenn die Tiere durchs Unterholz brechen. Kopf und Hals sind unbefiedert; die nackte Haut ist großteils leuchtend blau gefärbt, nur ein Streifen an der Hinterseite des Halses und mehrere Hautlappen sind rot gefärbt. Helmkasuare sind vom Aussterben bedroht. Schuld daran sind die Lebensraumzerstückelung in Australien und die Jagd in Neuguinea.

Wie die meisten unserer Exponate stammen auch Helmkasuar und Helm-Hokko aus Gefangenschaftshaltung. Die beiden Objekte sind eine besondere präparatorische und gestalterische Herausforderung gewesen, da zusätzlich Spezialtechniken angewendet werden mussten, um nackte Hauspartien beim Helm-Kasuar und den Schnabelaufsatz beim Helm-Hokko perfekt zu konservieren und zu kolorieren.

Auf dem diesjährigen Wettbewerb wurden 148 Präparate von 56 Präparatoren aus 14 Ländern gezeigt. Die Präparatoren des Museums für Naturkunde Berlin, Robert Stein und Jürgen Fiebig, nahmen mit insgesamt 13 Exponaten teil, die demnächst in der Ausstellung des Museums für Naturkunde Berlin gezeigt werden. Bereits in den letzten Jahren konnten Stein und Fiebig zahlreiche Titel gewinnen, z.B. mit den eindrucksvollen Präparaten von Bechsteinara, Komodowaran, Sperbergeier und kletterndem Kea.

Für Bildmaterial wenden Sie sich bitte an gesine.steiner@mfn-berlin.de

Fotos erhalten Sie unter: http://download.naturkundemuseum-berlin.de/presse/Helmhokko

Copyright: Carola Radke, Museum für Naturkunde Berlin

Die Fotos können zur Berichterstattung in Zusammenhang mit der Pressemeldung kostenfrei verwenden werden.