Einblick eines Sammlungskastens der Kaefersammlung. Rote mit Etiketten versehene Kaefern.
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Die Käfersammlung (Coleoptera und Strepsiptera) des Museum für Naturkunde Berlin gehört zu den größten der Welt und ist die umfangreichste, typenreichste und bedeutendste Sammlung ihrer Art in Deutschland. Sie wurde schon im 19. Jahrhundert als Hauptsammlung mit weltweitem Sammelgebiet organisiert und wird in dieser Form konsequent weiterentwickelt. Heute umfasst sie 6 Millionen Exemplare und 130.000 Arten, von denen 40.000 durch Typenmaterial vertreten sind. Die Nasssammlung enthält neben ungezählten, unpräparierten Käfern etwa 50.000 Käferlarven und Puppen in 1.500 Alkoholgläsern. Die Käfersammlung schließt auch eine kleine Teilsammlung von Fächerflüglern (Strepsiptera) ein, da diese Insektenordnung lange Zeit als Käfer aufgefasst wurde.

In der deutschen Museumslandschaft hebt sich die Käfersammlung des Museum für Naturkunde Berlin hervor durch

  • besonders umfangreiches Typenmaterial aus der Zeit vor 1860, darunter zahlreiche Typen mitteleuropäischer Arten
  • nennenswertes historisches Material aus den ehemaligen deutschen Kolonien und umfangreiche neue Aufsammlungen aus dem südlichen Afrika
  • umfangreiches Material aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion und dem Iran

Digitalisierung

Der historische Bestand der Käfersammlung wurde bis in die 1920er Jahre hinein in handgeschriebenen Katalogen erfasst. Eine digitale Dokumentation erfolgt seit den 1990er Jahren. Bis heute sind etwa 60.000 Arten mit Angaben zu Typenmaterial und Standort in der Sammlung in einer Datenbank erfasst. Eine Photodokumentation vorwiegend von Typus-Exemplaren umfasst gegenwärtig über 700 Bilder und wird ständig erweitert. Seit 2013 wurden zahlreiche Insektenkästen der Käfersammlung hochauflösend gescannt und mit dem EoS-Projekt online gestellt.

Geschichte

Der Ursprung der Käfersammlung des Museum für Naturkunde Berlin reicht bis ins 18. Jh. zurück. Die ältesten Präparate stammen aus der Zeit um 1770. Der historische  Bestand auf der Grundlage der Sammlungen von Hellwig und Hoffmannsegg, die bei ihrem Ankauf im Jahre 1817 bereits 7.000 Käferarten umfassten, enthält umfangreiches Typenmaterial von Illiger, Klug, Erichson, Germar, Gerstaecker, Gravenhorst, Harold, Herbst, Panzer, Sturm und Schaum.

In diese "Historische Sammlung", die heute in die Hauptsammlung integriert ist, gelangte zudem Material, darunter auch Typen, folgender Koleopterologen (Auswahl): Aubé, Boheman, Dejean, Deyrolle, Dohrn, Duftschmid, Eschscholtz, Fabricius, Gyllenhal, Kolenati, Leach, LeConte, Mannerheim, Ménétriés, Motschulsky, Schüppel, Sturm, Waltl.

Im Zweiten Weltkrieg entging die Käfersammlung durch Evakuierung nur knapp der Vernichtung. Bei der Bombardierung des Museums 1945 wurde der damalige Käfersaal zerstört.

Gegenwärtig zählt die Käfersammlung des Museum für Naturkunde Berlin zu den international meist beachteten Infrastrukturen für die taxonomische, zoogeographische und phylogenetische Forschung. Dies kommt in hohen Gästezahlen und einem umfangreichen Leihverkehr zum Ausdruck.

Highlights

Teilsammlung Staphylinidae (Kurzflügelkäfer)

Den Grundstein der Staphyliniden-Sammlung legte W. F. Erichson (1809-1848), der erste Kustos für Entomologie am Museum für Naturkunde. Im 19. Jh übernahm das Museum zahlreiche Typus-Exemplare von J. L. C. Gravenhorst (1777-1857). Durch die Übernahme weiterer Spezialsammlungen (Schubert, Wendeler, Korge) und die Forschung der Mitarbeiter wurde die Teilsammlung Staphylinidae kontinuierlich erweitert. Mit der jüngsten Akquise, der Staphyliniden-Sammlung Schülke mit über 150.000 Exemplaren, darunter 500 Holotypen und über 8.000 Paratypen, stellt diese Teilsammlung eine der bedeutendsten Spezialsammlungen von Kurzflügelkäfern weltweit dar.

Plochionocerus janthinus aus der Käfersammlung des Museums für Naturkunde

Teilsammlung Scarabaeidae (Blatthornkäfer)

Auf Grundlage der umfangreichen Aufsammlungen aus vielen Teilen der Erde, die in der Kolonialzeit in die Käfersammlung gelangten, beschrieben ehemalige Kustoden (Harold, Kolbe, Kuntzen) bevorzugt neue Arten der  Blatthornkäfer, deren Typen sich heute in dieser Teilsammlung befinden. Im 20. Jh erfuhr die Scarabaeiden-Sammlung erheblichen Zuwachs durch die Übernahme umfangreicher Spezialsammlungen (Brenske, Moser, Ohaus). Aufgrund ihrer außerordentlichen Zahl an Typus-Exemplaren stellen die Scarabaeidae eine der wertvollsten und international meist beachteten Teilsammlungen der Käfersammlung des Museum für Naturkunde dar.

Käfer in einem Sammlungskasten

Forschung

Der Forschungsschwerpunkt "Staphylinidae" in der Käfersammlung (Kurzflügelkäfer) wurde von W. F. Erichson (1809-1848) begründet, der 908 Arten und 46 Gattungen beschrieb und erste Grundlagen für ein phylogenetisches System der Staphyliniden schuf. Zurzeit arbeiten vier teils ehrenamtliche Mitarbeiter der Käfersammlung an der Erforschung dieser weltweit artenreichsten Käferfamilie. Aktuelle Forschungsschwerpunkte sind die Diversität und Biogeographie der artenreichen Gattungen Scopaeus, Paederus und Erichsonius sowie die Unterfamilie Tachyporinae.

Auf der Grundlage umfangreicher Expeditionsausbeuten aus den deutschen Kolonien Deutsch-Südwestafrika (Namibia), Deutsch-Ostafrika (Tansania), Togo und Kamerun entwickelte sich in der Käfersammlung zwischen 1880 und 1920 eine Traditionslinie der Afrikaforschung, die in den 1990er Jahren mit zahlreichen Forschungsreisen in das südliche Afrika fortgesetzt wurde.

Bibliothek

Die Bibliothek der Käfersammlung umfasst eine große Sammlung teils historischer Bücher zur Faunistik und Taxonomie der Käfer und wichtige käferkundliche Zeitschriften. Zur Bibliothek gehört auch eine umfangreiche Sammlung von Sonderdrucken koleopterologischer Publikationen.