Sammlung fossile Pflanzen, Museum für Naturkunde
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Die Sammlung der Paläobotanik umfasst über 230.000 Sammlungseinheiten mit mehr als 9.100 Abbildungsbelegen und Typen. Sie decken die gesamte Erdgeschichte durch fossile Pflanzen ab. Die Teilsammlungen der Angiospermen- und Gymnospermenzeit (Käno- und Mesophytikum) umfassen etwa 67.000 Sammlungseinheiten vom tiefen Jura bis zu subrezenten Belegen. Darunter befinden sich über 5.800 Abbildungsbelege und Typen. Die Teilsammlungen des Farnzeitalters (Paläophytikum) umfassen etwa 120.000 Sammlungseinheiten vom Präkambrium bis zum oberen Perm. Darunter befinden sich etwa 3.300 Abbildungsbelege und Typen.

Räumliche Schwerpunkte sind das rheinische Unterdevon, das mitteleuropäische Karbon und das untere Perm (Rotliegendes) Thüringens und Sachsens, die Kreidezeit in Norddeutschland und Brasilien sowie die Braunkohlen des Tertiärs der Lausitz und Sachsen-Anhalts. Die Aufsammlungen stehen historisch oft im Zusammenhang mit Kohlelagerstätten, sodass die Sammlungen vor allem von Stücken aus dem Paläophytikum und dem Tertiär geprägt sind. Von besonderer Bedeutung sind die hochdiversen Untertage-Aufsammlungen des Karbons, vor allem preußischer Kohlelagerstätten, sowie umfangreiche Bohrkernsammlungen aus Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. In der letzten Zeit wurden in verstärktem Maße die mesophytischen Sammlungen durch wissenschaftlich interessantes Material aus der Trias- und Kreidezeit erweitert.

Die Ordnung der Sammlung richtet sich hierarchisch nach stratigraphischen, geographischen, dann wieder stratigraphischen und letztlich nach taxonomischen Prinzipien. Diese Struktur ermöglicht vor allem einen leichten Zugang zu ganzen Floren in bestimmten Zeitscheiben.

Diese nicht unbedeutende Basis an Sammlungsmaterial förderte und fördert bis heute die Forschung und Lehre Berlins, sodass eine Reihe international angesehener Wissenschaftler am Museum für Naturkunde, wie z.B. Christian E. Weiss (1833-1890), Henry Potonié (1857-1913), Walther Gothan (1879-1954) und Winfried Remy (1924-1995) arbeiteten.

Digitalisierung

Annähernd alle Abbildungsbelege sind in der hauseigenen Access-Datenbank erfasst. Darüber hinaus existieren einige Teilerfassungen in Excel-Dateien. Scans der Inventarbücher, die noch parallel geführt werden, sind vollständig vorhanden. Die Gesamtzahl der digitalen Einträge für das Paläophytikum beträgt zurzeit etwa 17.000. Das entspricht etwa 15 % der gesamten Sammlung.

Die Datenbank ist im Museum für Naturkunde zugänglich. An einer Zugänglichkeit von außen wird gearbeitet.

Geschichte

Die Geschichte der Sammlung reicht über die Gründung der Berliner Universität im Jahre 1810 hinaus. Bereits in der königlichen preußischen Sammlung befanden sich Fossilien, die Eingang in die spätere wissenschaftliche Sammlung fanden. So wurde mit der Gründung der Königlich Preußischen Bergakademie 1770 eine erste Unterrichtssammlung aufgebaut, die bereits 1801 in einem eigenen, öffentlich zugänglichen  Gebäude, der „Alten Münze“, untergebracht war. Sie kamen teilweise 1810 an die neugegründete Universität.

Nicht zuletzt durch das intensive Interesse Alexander von Humboldts (1769-1859) an den naturwissen­schaftlichen Sammlungen wurden in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts mehrere bedeutende Sammlungen angekauft. Die heutige Sammlung beherbergt dadurch historisch wertvolle, paläobotanische Bestände des Freiherrn Ernst F. von Schlotheim (1764-1832), der zusammen mit Graf Kaspar von Sternberg (1761-1838) als Begründer der modernen Paläobotanik gilt. Auch die 1846 erworbene Sammlung des Forstrates Heinrich Cotta (1763-1844), dem Begründer der modernen Forstwirtschaft, ist dank Humboldt heute Teil der Sammlung.

Der Hauptteil wurde allerdings bis in die frühen 1950er Jahre in der Sammlung der Preußisch Geologischen Landesanstalt, später Zentrales Geologisches Institut (ZGI), zusammengetragen. Ab 1951/52 wurden sie dann Teil der Arbeitsstelle für Paläobotanik und Kohlenkunde an der Akademie der Wissenschaften, wobei bis in die späten 1960er Jahre immer wieder Rückforderungen durch das ZGI gestellt wurden. Nach Auflösung der Arbeitsstelle 1968/69 kamen die Sammlungen dann an das Geologisch-Paläontologische Institut am Museum für Naturkunde.

Highlights

Die Besonderheit der Sammlung ist deren hohe Diversität, hauptsächlich was das Karbon betrifft, das alle wichtigen mitteleuropäischen Lagerstätten abdeckt. Insbesondere das Westfal D ist außergewöhnlich gut belegt, einschließlich einer umfangreichen Sammlung bulgarischen Materials  aus dem Südrand von Laurussia. Aber auch die Vielgestaltigkeit der Rotliegendflora, vor allem aus Thüringen, ist von internationaler Bedeutung. So bilden nicht nur die klassischen Sammlungsteile mit vielen Abbildungsbelegen und Typen den eigentlichen Wert der Sammlung, sondern auch die vielen noch “schlummernden”, wissenschaftli­chen Schätze.

Koeppenia eifelensis (= Foozia minuta)

Diese Pflanze aus dem Unterdevon von Waxweiler in der Eifel ist eine ca. 400 Millionen Jahre alte Cladoxylale. Dieser Fund belegt eine überraschend hohe Entwicklungsstufe der Pflanzen bereits im Unterdevon, aus einer Zeit aus der bisher fast ausschließlich sehr einfach organisierte Pflanzen bekannt waren.

Koeppenia eifelensis (= Foozia minuta) aus dem Unterdevon von Waxweiler in der Eifel ist eine ca. 400 Millionen Jahre alte Cladoxylale. Dieser Fund belegt eine überraschend hohe Entwicklungsstufe der Pflanzen bereits im Unterdevon.

Neuropteris attenuata

Ein fast vollständiger Wedel von Neuropteris attenuata, aus dem Westfal D des Piesbergs bei Osnabrück aus der Sammlung Stossmeister gehört ebenfalls der Sammlung an. Solche völlig erhaltenen Wedel sind äußerst selten.

Ein fast vollständiger Wedel von Neuropteris attenuata, aus dem Westfal D des Piesbergs bei Osnabrück der Sammlung Stossmeister. Solche völlig erhaltende Wedel sind äußerst selten.

verkieselte Farnstammreste

Zu sehen sind aus dem unteren Perm, auch Rotliegendes genannt, stammende, verkieselte Farnstammreste, bei denen noch jede Zelle erhalten ist. Aufgrund des guten Erhaltungszustandes können diese Fossilien anatomisch-histologisch in ähnlicher Form untersucht werden wie rezente Pflanzen, obwohl sie etwa 296 Millionen Jahre alt sind.

Aus dem unteren Perm, dem Rotliegenden, stammen verkieselte Farnstammreste, bei denen noch jede Zelle erhalten ist. Dementsprechend können diese Fossilien anatomisch-histologisch in ähnlicher Form untersucht werden, wie rezente Pflanzen.

Forschung

Auch heute ist die Sammlung wichtige Grundlage paläobotanischer Forschung. Derzeit wird unter anderem das Karbon des mitteldeutschen Raumes zwischen Leipzig und Wittenberg untersucht. Grundlage hierfür sind Bohrungen aus den 1970er und 1980er Jahren. Dabei finden viele Pflanzenfunde aus dem Untergrund Sachsen-Anhalts Eingang in die Sammlungen. Darüber hinaus wird an den frühen Landpflanzen aus der Eifel geforscht, wobei auch die Ablagerungsbedingungen und Profilentwicklungen im Bereich von Vegetationshorizonten im Fokus stehen.

Gegenwärtig finden weitgreifende Neuaufstellungen von Teilen der Karbonsammlung und des Devons statt. Diese Sammlungsteile werden aus dem Hauptgebäude des Museums in externe Räumlichkeiten ausgelagert, sie bleiben aber weiterhin zugänglich.

Ansprechpartner für wissenschaftliche Anfragen ist Oberkustos Dr. Stephan Schultka.

Bibliothek

Der paläobotanischen Sammlung ist eine Sonderdrucksammlung angegliedert, die etwa 10.000 Sonderdrucke umfasst. Sie entstand aus der ehemaligen Bibliothek der paläobotanischen Kustodie sowie aus den Sonderdrucksammlungen der Kustoden, die nach dem Zweiten Weltkrieg am Museum für Naturkunde tätig waren. Zurzeit wird der Bestand in einer einfachen Übersichtsdatei zum besseren Zugriff erfasst. Dadurch werden vor allem schwer verfügbare Literatur und nicht digitalisierte Bestände einfach und schnell zugänglich sein. Die Sonderdrucke sind nur in der Sammlung zugänglich. Eine Ausleihe findet nicht statt.