Fotografie des Gorillas Bobby bei der Präparation.
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Zoologische Gärten und Naturkundemuseum in Berlin, 1810 bis 2020

Ziel des BMBF-Verbundprojekts „Tiere als Objekte. Zoologische Gärten und Naturkundemuseum in Berlin, 1810 bis 2020“ zwischen dem Museum für Naturkunde Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Zoologischer Garten Berlin AG ist es, jene Prozesse zu untersuchen, durch die Tiere zu Objekten werden, zu lebenden Zoo-Attraktionen, musealen Exponaten, diplomatischen Objekten, zu präparierten Lehrobjekten und Forschungsdatensätzen. Das Projekt untersucht zentrale, in vieler Hinsicht zusammengehörige Berliner Sammlungen: das Museum für Naturkunde Berlin, den Zoologischen Garten, zu dem das Aquarium und später der Tierpark gehören, sowie die Zoologische Lehrsammlung der Humboldt-Universität zu Berlin. Im Fokus stehen die Transfers und Transformationen der Tierobjekte in und zwischen den Berliner Wissensorten im globalen, politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Kontext. Grundlegend dafür ist die Untersuchung der Materialumwelten, der Datenumwelten und der diskursiven Umwelten, auf denen die Pflege, Konservierung und Nachhaltigkeit der Tierobjekte beruht.

Teilprojekte

1. Tiere zum Sprechen bringen: Logistik, Wissenschaft, Präsentation (Humboldt-Universität zu Berlin)

Angesiedelt an der Schnittstelle von Wissenschafts-, Logistik- und Kulturgeschichte sowie Human-Animal-Studies und Umweltgeschichte, fragt das Teilprojekt danach, wie Tiere in den und durch die Berliner Sammlungen zu Wissensobjekten und als solche zum Sprechen gebracht werden (sollen). Im Fokus stehen die Produktions-, Transfer- und Transformationsprozesse von Objekten, Wissen und Praktiken vom 19. bis ins 21. Jahrhundert. In mikrohistorischen Fallstudien werden erstens die Wege einzelner Objekte in und durch die Institutionen verfolgt mit Blick auf die lokalen und globalen Logistiken und Transportwege, Händlernetzwerke, Sammel- und Fangpraktiken: Woher, durch wen und auf welchen Wegen kamen die Tiere in Zoo, Lehrsammlung oder Museum? Wie unterscheiden sich die Beschaffungswege und Transportpraktiken bei lebenden und bei toten Tieren, bei Wasser- und Landtieren, und wie haben sich die logistischen, wissenschaftlichen und ökonomischen Bedingungen der Transfers gewandelt? Darauf aufbauend geht es weiterhin um die Techniken und Praktiken der Verwahrung, Bearbeitung und Präsentation in den jeweiligen Institutionen – Lebendtierhaltung in Zoo, Aquarium und Tierpark, Präparation und wissenschaftliche Bearbeitung im Museum sowie der Einsatz in der Lehrsammlung.

2. Die politische Sprache der Tiere (Zoologischer Garten Berlin)

Die in den Berliner Sammlungen ausgestellten Tiere waren und sind immer Objekte der Politik und politische Objekte. Das Teilprojekt untersucht ausgehend vom gemeinsamen Ursprung des Berliner Zoos und Naturkundemuseums, inwiefern die Tiere zum Spiegel politischer Ambitionen wurden. An den Objekten des Naturkundemuseums und der Zoologischen Gärten, die als politische Räume perspektiviert werden, lassen sich die kolonialen Kontinuitätslinien ebenso ablesen wie die Beutezüge des nationalsozialistischen Regimes oder die Repräsentationsansprüche der im Kalten Krieg miteinander konkurrierenden Gesellschaftssysteme. Insbesondere an den als Geschenken in die Sammlungen gekommenen Tierobjekten können politische Entwicklungen, Strategien und Netzwerke abgelesen werden.

3. Die Sprache der Datentiere (Museum für Naturkunde Berlin)

Das Teilprojekt „Die Sprache der Datentiere“ verknüpft sozialwissenschaftliche und kulturhistorische Ansätze, um das Tierobjekt in Zoo und Museum durch und in Datenpraktiken zu untersuchen. Im Zuge von Digitalisierungsprojekten, aber auch neuen molekularbiologischen Analysemethoden und bildgebenden Verfahren werden museale Tierobjekte zu Datenquellen, die in unterschiedliche globale Informationsinfrastrukturen wie z.B. Global Biodiversity Information Facility (GBIF), GenBank oder Barcode of Life einfließen. In diesen unterschiedlichen Datenpraktiken treffen verschiedene Ordnungen, Standards, Technologien, Historien und Interessen aufeinander, die das Tierobjekt in jeweils unterschiedliche Bedeutungs- und Zuschreibungskontexte versetzt. Ziel ist es, die jeweils spezifischen Datenumwelten von Tierobjekten in Zoo und Museum zu erfassen, zu beschreiben und analytisch auf neue Interpretationen der Tierobjekte und ihrer wissenskulturellen Wirkweisen anzuwenden.

Laufzeit

3 Jahre (01.09.2018 bis 31.08.2021)

Kooperationspartner

"Tiere als Objekte" wird  in Kooperation mit dem Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin sowie dem Zoologischen Garten Berlin durchgeführt.

Finanzierung

Das Projekt wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.