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Den Schatz der Daten erheben

Digitalisierung für Natur Journal Ausgabe 9

Mareike Petersen ist promovierte Biologin und Datenwissenschaftlerin am Museum für Naturkunde Berlin – und seit November 2023 auch Strategische Projektleiterin des neuen Projektes WiNoDa. Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich das »Wissenslabor für Naturwissenschaftliche Sammlung und objektzentrierte Daten«. Ziel ist es, während der dreijährigen Förderphase ein maßgeschneidertes Labor für exzellente, multidisziplinäre Forschung im Bereich naturwissenschaftliche Sammlungen zu schaffen. 

Forschungssammlungen beherbergen einen Schatz an Informationen und Daten – mit über einer Milliarde Objekten weltweit. Diese erzählen nicht nur faszinierende Geschichten aus vergangenen Zeiten, sondern werfen auch einen Blick in die Zukunft. Was aber anfangen mit all den Daten? Messdaten, CT Scans, Volumendaten, Längendaten, Fundortdaten, Geländedaten... Nicht wenige Forschende überlegen erst am Ende ihres Projektes, wohin eigentlich damit. Wäre es nicht besser gewesen, am Anfang darüber nachzudenken? Schon vor der Datenerhebung zu wissen, wie ich diese Daten erhebe, mit welchen Parametern und Standards, um sie richtig auszuwerten und dann auch an der richtigen Stelle zu veröffentlichen? Wie bewerte ich bereits verfügbare Daten? 

Datenkompetenz ist das Stichwort; die fehlt an vielen Stellen. Das merkte auch Mareike Petersen und stellte ihren Projektantrag: um Datenkompetenz in der Wissenschaft zu steigern. Eine im Projekt verankerte Pilotstudie setzt an einer archäologischen Ausgrabungsstelle in der Türkei an. Hier wird Biologie und Archäologie von Anfang an bei der Datenerhebung verknüpft, gemeinsam gedacht und ausgewertet. Forschen, Lernen und Vernetzen – das sind die drei Hauptbereiche, auf die sich das Wissenslabor konzentriert.

Es wird Kurse geben und Lernmaterial, das kostenfrei abrufbar ist. Es sind auch physische Workshops geplant, um Forschende der verschiedenen Disziplinen zu vernetzen, und Kurse, in denen es um ethische Fragen wie koloniale und andere Unrechtskontexte geht. Fünf Mitarbeitende gibt es dafür am Museum. Neben der Projektleitung eine Person für naturkundliche Lerninhalte, Kurse und Begleitmaterialen. Eine Projektkoordinationsstelle, die sich zum Beispiel auch um die Homepage kümmert.

Die Forschende Mareike Petersen vor einem Tierschädel und Laptop sitzend.

Ein Communitymanagement, das die Planung von Workshops übernimmt, sowie eine Stelle für Public Engagement. Wenn der zweite Standort des Museums in Adlershof fertig ist, der im Rahmen des Zukunftsplanes gebaut wird, wird es dort einen gemeinsamen Ort geben, wo sich Wissenschaftler:innen, Doktorand :innen und nicht disziplinspezifische Interessierte treffen und vernetzen können. WiNoDa ist eine Gruppe von Forschungs- und unterstützenden Organisationen in ganz Deutschland, die zusammenarbeiten. Das Berliner Naturkundemuseum bringt hier sein Wissen ein, das auf einer 30 Millionen Objekte umfassenden Sammlung basiert und sowohl physische als auch digitale Teile umfasst.

Partner im Projekt sind das Deutsche Archäologischen Institut mit ihrer Sammlung und Expertise im Umgang mit objektzentrierten Daten, das Zuse - Institut Berlin mit den notwendigen IT Ressourcen für die Speicherung, Verarbeitung und Darstellung von Daten, die Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes GBV für den Aufbau einer offenen Informationsinfrastruktur, die Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg an der Fachhochschule Potsdam mit ihrem Wissen in den Bereichen Open Science und Open Educational Resources (OER) und die Gesellschaft für Biologische Daten e. V. mit ihrer Expertise beim Management von Forschungsdaten.

Text: Gesine Steiner
Fotos: Pablo Castagnola

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