Brand Museu Nacional in Rio de Janeiro_c_Felipe_Milanez
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Am gestrigen Mittwoch trafen sich im Museum für Naturkunde Berlin Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Museen und Einrichtungen mit Interessierten, um zum Thema „Rio, Notre-Dame – what‘s next? Kulturgüterschutz als globale Aufgabe“ unter Moderation des Auswärtigen Amtes zu diskutieren. Prof. Alexander Kellner, Direktor des Museu Nacional, Rio de Janeiro, hielt einen emotionalen und vorwärtsweisenden Vortrag über den Brand, seine Folgen, die Herausforderungen des Wiederaufbaus und über die Lehren, die wir für den globalen Kulturgutschutz daraus ziehen können.

„Deutschland bekennt sich zu seinem globalen Erbe, auch durch die 660 Millionen Euro, die dem Museum für Naturkunde Berlin für die Sicherung und Entwicklung der globalen Sammlung zur Verfügung gestellt wurde“, so Johannes Vogel, Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin. „Wir sind der Ort, der die verschiedenen Akteure und Stakeholder zusammenbringt und wir sind stolz darauf, mit so vielen spannenden Partnern zusammenzuarbeiten“.

Die Sensibilität für den Wert des kulturellen Erbes, für das, was unsere Identität, unsere Geschichte und Zukunft ausmacht, entwickelt sich oft erst nach einer Katastrophe. Der Brand des Nationalmuseums in Rio de Janeiro und das Feuer in der Kathedrale Notre-Dame de Paris sind nur die jüngsten Großschäden bei kulturellen Einrichtungen, die katastrophale Auswirkungen für das kulturelle Gedächtnis – nicht nur der betroffenen Nationen – haben. Angesichts der massiven Schäden, die auch in Friedenszeiten durch Brände, Erdbeben, Stürme und Hochwasser verursacht werden können, gewinnen vorsorgliche Maßnahmen der Notfallplanung für den Erhalt des kulturellen Erbes eine herausragende Bedeutung.

Was können wir tun? Alle Anwesenden waren sich am gestrigen Abend einig, dass Koalitionen gebildet werden müssen und international kollektiv gearbeitet werden muss. Nationalstaatliches Denken muss überwunden werden. Sharing Heritage bedeutet gemeinsame Verantwortung sowie Verhandlung auf Augenhöhe mit allem Beteiligten. Museen müssen ihre Originale bewahren, weil es auch beim wiederholten Hinschauen etwas Spannendes, etwas Neues, zu entdecken gibt.

So betonte Kellner, dass es nur durch die internationale Gemeinschaft gelingen kann, dass am 2. September 2018 zerstörte Museu Nacional in Rio de Janeiro wieder aufzubauen. „Eine Gesellschaft, die ihre Museen nicht wertschätzt und unterstützt, ist zumindest teilweise kulturell gestorben“, so Kellner. Es geht um den Aufbau des Gebäudes, den Schutz der Sammlungen, das wieder Ermöglichen der Forschung an den Objekten, den Aufbau eines Bildungszentrums und die Steigerung der internationalen Zusammenarbeit. Die Internationale Gemeinschaft kann durch Unterstützerbriefe und Kontakte zu Unternehmen und Stiftungen helfen. "Die Vielzahl der Biodiversität ist in der Südhemisphäre zu finden, deshalb strecken wir die Hand aus, um mit Wissen zu unterstützen", so Vogel.

„Es ist für die Gesellschaft wichtig, nicht nur in Autobahnen als Infrastruktur zu investieren, sondern auch in Kultur und lebendiges kulturelles Leben. Dazu brauchen wir die Öffnung der Museen, so wie es das Berliner Naturkundemuseum exemplarisch vormacht“, betont Dr. Andreas Görgen vom Auswärtigen Amt.