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Contagious Cities kommt nach Berlin!

Ein ansteckendes Projekt des Wellcome Trusts, welches sich ausgehend vom Museum für Naturkunde Berlin auf das Robert Koch Institut ausbreitet, vom 17.05. – 08.09.2019

KOEXISTENZ möchte gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Bürgerinnen und Bürgern anlässlich des hundertsten Jahrestages der Spanischen Grippe eine neue Debatte über die Beziehungen zwischen Menschen, Tieren und Viren initiieren.

 

Die künstlerischen Arbeiten von Simon Faithfull und Sybille Neumeyer nähern sich aus unterschiedlichen Richtungen der komplexen Beziehung zwischen Menschen, Tieren und Bakterien an.
Ausgehend von seiner Recherche in der Vogelsammlung hat der Künstler Simon Faithfull in Kombination mit seinen Vogelzeichnungen eine beliebige Taxonomie der Vögel erschaffen. Anhand von 80 Exemplaren und 120 Zeichnungen untersucht er unser Bestreben, Tiere zu kategorisieren und hinterfragt auf spielerische Weise unser Verhältnis zur Natur und den Einfluss von ansteckenden Krankheiten.

Sybille Neumeyer entwickelte einen künstlerischen Rundgang in und um das Museum, bei dem sie die Aufmerksamkeit auf die unterschiedlichen Perspektiven von Virus, Wirt und Überträger lenkt. In Form einer physischen und akustischen Karte die das innere Museum und seine äußere Umgebung miteinander verbindet, werden in Neumeyers Arbeit Fakten, Ideen und Fragen zur Grippepandemie und zur Geschichte der Virologie in Berlin miteinander verwoben. Ziel ist es, die multidisziplinäre, artenübergreifende und verworrene Geschichte von Grippe, Pandemien und Viren in der Stadt zu demonstrieren.
 

Berlin hat eine komplexe Geschichte der Kreativität und des Experimentierens in Kunst und Wissenschaft. Robert Koch war hier im 19. Jahrhundert Pionier der Bakteriologie und unterstützte die Keimtheorie zur Erklärung von Infektionen. Grippe ist eine Zoonose, d.h. sie wird vom Tier auf den Menschen übertragen - das Wort Zoonose wurde 1855 von Rudolf Virchow in Berlin geprägt, obwohl er die Keimtheorie ablehnte und glaubte, dass soziale Faktoren wie Armut wichtiger seien. Heute untersuchen die Forscher des Robert-Koch-Instituts weiter Grippe und viele andere Krankheiten sowie den Einfluss sozialer Determinanten wie Bildung und Einkommen auf die Gesundheit der Menschen.

Im Museum am Robert Koch Institut, wird als Teil von Contagious Cities ein kurzes Video als Ergänzung zum Projekt und zu der Ausstellung, die im Museum zu sehen ist, gezeigt. Die Erzählung führt das Publikum in die Zeit zurück, in der Robert Koch an drei Standorten wichtige Entdeckungen gemacht hat. Hier wird die Bedeutung von Ansteckung (Contagion) im Sinne von Ansteckung durch Infektionserreger dargestellt. Die Bedeutung ändert sich, je weiter die Geschichte in die Gegenwart führt. Das Publikum soll zum Nachdenken darüber angeregt werden, was Ansteckung für uns heute bedeuten könnte und mit welchen gesundheitlichen Bedrohungen wir heute und zukünftig rechnen müssen.

Medienvertreter sind herzlich zur Eröffnung am Do, 16.05.2019 um 19:30 Uhr eingeladen. Akkreditierung: gesine.steiner@mfn.berlin

Eine Kooperation mit dem Wellcome Trust im Rahmen des internationalen Gemeinschaftsprojektes "Contagious Cities" über die globalen Herausforderungen der Seuchenprävention.

 

Hintergrundinformationen zu den Künstlern

Simon Faithfull war schon immer fasziniert von Vögeln. Seine Zeichnungen, die er seit dem Jahr 2000 anfertigt, haben ihn immer wieder zu diesen Tieren zurückgeführt, die er als alltägliche und dabei fremdartige, parallele Spezies beschreibt, die mit uns einen unmittelbaren Lebensraum teilt. Während seiner Streifzüge durch das Museum für Naturkunde auf das Feld der Taxonomie aufmerksam gemacht, erschafft Faithfull in Anlehnung an J. L. Borges „The Analytical Language of John Wilkins“, seine ganz eigene Klassifikation der Vögel, unter anderem eine Kategorie für „Jene, die Vogelgrippe übertragen“. In seiner Arbeit macht er deutlich, wie unsere Beziehung zur Natur durch die Art und Weise, wie wir sie benennen und kategorisieren, geprägt ist, und fordert uns auf spielerische Weise auf, uns mit diesem Zusammenleben auseinanderzusetzen.

Abstammend von dem altgriechischen Wort táxis für Ordnung steht der Begriff Taxonomie für die Klassifikation von Objekten. Sie ist essentieller Bestandteil unserer naturwissenschaftlichen Forschung und Ausgangspunkt für das Erkennen und Beschreiben von Zusammenhängen und Unterschieden.

Die Geschichte von Menschen, Tieren und Viren ist eine Geschichte der Beziehungen. Mit Sybille Neumeyers künstlerischen Rundgang, einer physischen und einer akustischen Karte, werden Orte in und um das Museum für Naturkunde Berlin zum Storyboard für Fakten, Konzepte und Fragen rund um Influenzapandemien und Virologie. Dabei folgt sie nicht einer linearen Historie der Ansteckung, sondern zeichnet multi-disziplinär artenübergreifende und verwobene Geschichten der Grippe, Pandemien und Viren nach. Auf ihrer Suche nach den unterschiedlichen Schichten und Randereignissen dieser Erzählung lässt sie sowohl lebende wie leblose Akteur*innen zu Wort kommen. Im Rahmen ihres Rundganges bekommen die Teilnehmer*innen die Möglichkeit unterschiedliche Sichtweisen einzunehmen, wie die von Überträgern, Wirten sowie dem Virus selbst. Diese Art der Stimmgebung und polyphone Betrachtung dient als Methode eine rein anthropozentrische Perspektive zu durchbrechen und lädt zum Nachdenken über Koexistenzen ein.

 

Weitere Informationen zu Conatgious Cities und dem Wellcome Trust

Mit dem vom Wellcome Trust entwickelten Projekt Contagious Cities („Ansteckende Städte“) werden die überraschenden Wechselwirkungen zwischen Menschen, Tieren und Krankheitserregern im urbanen Umfeld aus verschiedenen Perspektiven untersucht.

In vier globalen Städten - Berlin, Genf, Hongkong und New York – werden lokale Debatten über globale Herausforderungen der Seuchenprävention geführt.

Der Wellcome Trust ist eine globale gemeinnützige Stiftung, die sowohl politisch als auch finanziell unabhängig ist und sich für Wissenschaft, Forschung und globale Gesundheitsthemen engagiert. Sie unterstützt Wissenschaftler*innen und Forscher*innen und initiiert cross-disziplinäre Projekte, mit dem Ziel lokale Debatten zu globalen Themen zu entfachen.

Im vergangenen Jahr eröffnete Wellcome ein Büro in Berlin, um enger mit internationalen Partnern zusammenarbeiten zu können und globale Gesundheitsherausforderungen wie Seuchenprävention und antibiotika-resistente Infektionen anzugehen.