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Menschen, Tiere und Krankheitserreger stehen miteinander in ständiger Wechselwirkung. Neue Perspektiven auf das Verhältnis zeigen Comics, die in einem Zine-Workshop im Museum für Naturkunde Berlin entstanden sind.

Wie werden Viren übertragen? Und wie war das damals mit der Pest? Menschen, Tiere und Viren leben seit jeher in Netzwerken. Wird die Balance gestört, hat das Folgen: Seuchen, Epidemien und neue Krankheiten entstehen. Aktuell zu sehen bei der schnellen Verbreitung von Grippeviren oder dem neuartigen Coronavirus (Sars-CoV-19).

Ansteckungen verständlich machen

Weil sie für den Menschen unsichtbar sind, ist das Wirken von Viren oft schwer zu verstehen. Um dies zu ändern, entstand der Viren-Comic Contagious Comics am Museum für Naturkunde Berlin. Angeleitet von einer Wissenschaftsjournalistin und Comiczeichnerin produzierten Laien-Zeichnerinnen und Laien-Zeichner einen Comic-Band mit eigenen Geschichten. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit unterschiedlichen Hintergründen hatten ein gemeinsames Ziel:  Sie wollten lernen, wie sie ihre Themen durch Bilder darstellen und mit anderen teilen können. Das Ergebnis ist ein Contagious Comic, der die Wissenschaft über die Ansteckung auf individuelle Weise veranschaulicht.

„Infektionskrankheiten sind von Natur aus komplex, mit Ekel behaftet, aber vor allem eins: super spannend. Comics oder Zines sind ideal, um schwere Themen einfach darzustellen“, sagt Caroline Ring, die Leiterin des Zine-Workshops. Den Contagious Comic lesen Sie hier.

Comics für die Wissenschaftskommunikation

Zines – abgeleitet von Magazines oder Fanzines – sind von Amateuren hergestellte, kleine, handgemachte und selbst fotokopierte Publikationen. Sie sind ein Kommunikationsmedium, die innerhalb von bestimmten Gruppen oder Subkulturen zirkulieren und so beispielsweise bei Protestbewegungen wie in Hong Kong genutzt werden. Sie sind ein unkompliziertes Medium, um Ideen zu visualisieren, zu vervielfältigen und mit anderen zu teilen.

„Durch ihre klare und bildhafte Sprache sind Comics ideal, um Wissenschaft und Forschung zu kommunizieren. Im Experimentierfeld testen wir solche neuen Formate der Forschungskommunikation, um mit der Bevölkerung in den Austausch und Dialog zu gehen“, sagt Yori Schultka, Koordinatorin des Experimentierfeld für Partizipation und Offene Wissenschaft am Museum für Naturkunde Berlin.

Der Zine-Workshop fand 2019 im Rahmen des Projekts Koexistenz – Contagious Cities in Zusammenarbeit mit dem Wellcome Trust statt. Künstlerinnen und Künstlern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Bürgerinnen und Bürger diskutierten hier über die Beziehungen zwischen Menschen, Tieren und Viren.

Übrigens: Der nächste Zine-Workshop, diesmal zum Thema Bioökonomie, findet im August 2020 statt. Eine Anmeldung wird ab Anfang Juli hier möglich sein.

Museum für Naturkunde weist älteste Viren nach

Neues aus der Forschung: Ein Forscherteam des Museums hat die ältesten Viren der Welt nachgewiesen – an einem eidechsenähnlichen Tier, das vor 289 Millionen Jahren lebte.