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Der Meteoritenfall von Ribbeck

Meteorit genannt Ribeck im Größenverhältnis zu einem Würfel auf einem weißen Hintergrund

Am späten Abend des 20. Januar 2024 entdeckte der ungarische Astronom Krisztián Sárneczky mit einem Teleskop der Konkoly-Sternwarte einen nur 40 cm großen hellen Asteroiden (2024 BX1) auf Kollisionskurs mit der Erde. Die Asteroidenüberwachungssysteme Scout der NASA und Meerkat der ESA berechneten einen Aufprall am Sonntag, dem 21. Januar, um 1:33 Uhr über dem Dorf Nennhausen, etwa 60 km westlich von Berlin. Genau zum vorhergesagten Zeitpunkt wurde über der Region ein heller Feuerball beobachtet, und ALLSKY-Bilder dokumentierten das Zerbrechen des Boliden in zahlreiche Teile. Eine sofortige Suche nach Meteoritenfragmenten durch ein Team von Wissenschaftlern des Museums für Naturkunde und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) am selben Tag blieb erfolglos. Nach Berechnungen unter Berücksichtigung der starken Winde, die während des Falls wehten, wurde das Streufeld weiter östlich über das Dorf Ribbeck ausgedehnt, und genau dort wurde nach vier Tagen intensiver Suche der erste Meteorit von polnischen Meteoritenjägern gefunden. 

Weltweit ist dies erst das vierte Mal, dass ein Asteroid im Weltraum, während des Atmosphäreneintritts und schließlich als Meteorit auf der Erde beobachtet bzw. gefunden wurde. Ein Vergleich des Fragments mit einem Typusexemplar aus der Meteoritensammlung des Museums ergab, dass es zu der sehr seltenen Klasse der Aubrite gehört (benannt nach dem Dorf Aubres in Frankreich, wo 1836 der erste Meteorit dieser Art fiel). Aubrite machen nur 0,01 Prozent aller Meteoritenfunde aus und sind von hohem wissenschaftlichem Interesse, da sie wertvolle Informationen über die frühe Planetenentstehung im Sonnensystem enthalten. Zur Klassifizierung wurden kleine Schnitte des neu gefundenen Meteoriten mit Hilfe der Laborinfrastruktur des Museums (FB1) untersucht, darunter Elektronenmikrosonde, Mikro-Röntgenfluoreszenz und Computertomographie. Nur zwei Wochen nach der Einreichung wurde der Meteorit von der Meteoritical Society offiziell als Aubrit anerkannt und Ribbeck getauft

Bei der Suche im etwa acht Kilometer langen und 400 Meter breiten Streufeld fand das Team des Museums für Naturkunde und des DLRs mit Unterstützung von Kollegen und Studenten der Freien und Technischen Universität Berlin und des SETI-Instituts (Search for Extraterrestrial Intelligence) 25 Meteoritenfragmente mit einer Gesamtmasse von etwa 160 Gramm. Der Meteoriteneinschlag fand breite Beachtung in den Medien, und die Museumswissenschaftler gaben zahlreiche Interviews für lokale, nationale und internationale Zeitungen, Wissenschafts- und Populärwissenschaftsmagazine, Social-Media-Kanäle und Fernsehsender. Über den Fund berichtete auch Pro 7 in der Fernsehserie Galileo. Die von Museumswissenschaftlern und Studenten gesammelten Ribbeck-Stücke wurden Teil der Meteoritensammlung des Museums, und die beeindruckendsten Stücke werden der Öffentlichkeit in einer Sonderausstellung präsentiert. 

Als frischer Fall einer sehr seltenen Meteoritenklasse wurde Ribbeck auch zum Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Untersuchungen. Unter der Leitung von Forschern des Museums für Naturkunde, des DLR und des SETI führt ein Konsortium von fast hundert internationalen Experten derzeit chemische, mineralogische und spektroskopische Untersuchungen mit modernsten Methoden durch, die letztlich zu Veröffentlichungen in renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschriften führen werden. Der Ribbeck-Meteoriteneinschlag zog viele professionelle und amateurhafte Meteoritenjäger an, und im Laufe von etwa acht Wochen wurden insgesamt 203 Fragmente mit einem Gewicht von etwa 1,8 Kilogramm gemeldet. Der Fall gibt auch Anlass, die Methoden zur Frühwarnung vor Objekten aus dem Weltraum zu verbessern. Insbesondere große Objekte, die sich in der Nähe der Erde befinden, sogenannte NEOs (Near Earth Objects), können bei einem Aufprall auf die Erde schwere Schäden verursachen. Wissenschaftler des Museums sind an der HERA-Weltraummission der ESA beteiligt, um mögliche Mechanismen zur Ablenkung gefährlicher Asteroiden durch Kollisionen mit Weltraumsonden zu evaluieren. Der Fall Ribbeck zeigt, dass wir auf solche Szenarien vorbereitet sein sollten. 

Foto: MfN Ribbeckmeteorit, L. Kranich

Video: Meteoritenfunde in Brandenburg: Aus dem Weltall ins Museum 

In Kooperation mit Hans Otto Film 
Mit Musik von Dominik Eulberg 
Mit Bildmaterial von Lutz Hecht, Museum für Naturkunde Berlin

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