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Ein Jahr Bromacker

Bromackergrabung 2008 © Freistaat Thüringen, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, WeimarStiftung Schloss Friedenstein Gotha, Foto Kerstin Fohlert

Pressemitteilung, 20.08.2021

Der Bromacker ist einzigartig. Dass die Fundstelle zwischen den thüringischen Gemeinden Tambach-Dietharz und Georgenthal ein sehr bedeutsames Fenster in die Vergangenheit ist, haben auch die vergangenen vier Wochen bewiesen: Einen Monat lang hat ein internationales, etwa 30-köpfiges Team aus Paläontolog:innen und Geolog:innen täglich am Bromacker gegraben. Ungebremst von Witterung und organisatorischen Widrigkeiten einer solchen Unternehmung haben sie etwa 20 bis 30 Kubikmeter des rötlichen Sandsteins bewegt und abgetragen. Die Grabung endet am heutigen Freitag und das Ergebnis ist überwältigend.

Die riesige Menge an Funden, die der Bromacker in sich birgt und die nun nach 290 Millionen Jahren wieder ans Tageslicht gekommen ist, sei die größte Herausforderung gewesen, vor der die Wissenschaftler:innen in den vergangenen Wochen gestanden haben: "Die Menge der Grabspuren ist überwältigend. Auch die Funde der Schädel und Teilskelette ist außergewöhnlich", sagt Grabungsleiter Prof. Dr. Jörg Fröbisch vom Berliner Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung (MfN). Neben Abdrücken versteinerter Pflanzen, kleiner wirbelloser Tiere oder Koprolithen (versteinerter Kot), Kratzspuren und Grabgängen sowie mehreren Teilskeletten von Wirbeltieren – inklusive zweier Schädel und einzelner Knochen – haben die Forschenden über 200 Kisten mit Funden abtransportiert, die nun bearbeitet, präpariert und erforscht werden. 

200 Kisten voller Puzzlestücke, die dabei helfen sollen, ein Ökosystem im Unteren Perm zu rekonstruieren. Wie sah das Klima damals aus, wie die Geologie heute? Wie haben sich die Veränderungen des Klimas auf die Artenvielfalt und das komplette Ökosystem vor 290 Millionen Jahren ausgewirkt? Diese Fragestellungen zeigen, dass der BROMACKER nie enden wird. Seine hohe Dichte an einzigartigen Fossilien birgt ein enormes Potenzial für Forschung auf Spitzenniveau. Diesem Ziel haben sich die Teams vom MfN und der Friedrich-Schiller-Universität Jena genauso verschrieben wie die Kolleg:innen vom UNESCO Global Geopark Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen und der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha.

Die Fragen sind mannigfaltig, die Vielfalt an Methoden, mit denen sich die Projektpartner ihnen nähern, auch. Sie alle bringen unterschiedliche Expertise und wissenschaftliche Forschungsschwerpunkte in das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt ein: Während die einen den Fokus auf Taxonomie, Morphologie und Paläoökologie legen, untersuchen andere die Knochenhistologie oder Taphonomie. Wiederum andere im Team beschäftigen sich mit der Feinpräparation, Digitalisierung und modernsten 3D-Bildtechnologien.

Ein besonderes Augenmerk aller Verbundpartner ist es, Mittel und Wege zu finden, die sperrigen Begrifflichkeiten so verständlich zu machen und die hoch komplexen wissenschaftlichen Sachverhalte so zu erklären, dass sie für den Laien klar verständlich sind. Denn: Der Bromacker ist für alle da! Nicht nur für Forschende, auch für Hobby-Paläontolog:innen und Fachfremde. Auch Junge und Ältere sollen am BROMACKER teilhaben können: Wissenschaftskommunikation wird in diesem Projekt deshalb groß geschrieben. Mittels einer Kombination aus modernsten und experimentellen Wissenstransfer-Formaten, einer koordinierten, touristischen Besucherlenkung oder auch über Sonderausstellungen sollen Menschen verstehen lernen, die nur zufällig mit dem Thema konfrontiert werden oder die "nur mal wissen wollen, was 'die' da in der Grube überhaupt machen und was das überhaupt soll". Die bestehende Begeisterung und Faszination des Themas soll von dem kleinen Kreis der Forschenden auf die breite Öffentlichkeit überspringen.

Fotomaterial, das Sie im Zusammenhang mit der Berichterstattung über das Projekt BROMACKER kostenfrei verwenden dürfen, und detaillierte Informationen zur Fundstelle, Forschung und Wissenschaftskommunikation finden Sie hier.