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Gemeinsam gegen Diskriminierung, Vorurteile und Rassismus

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Pressemitteilung,

Das Museum für Naturkunde Berlin ist eine exzellente Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft, die sich in ihrer Arbeit hohen Qualitätsstandards verpflichtet fühlt. Zu unserem Selbstverständnis als offenes, integriertes Forschungsmuseum gehört für uns ganz zentral die Auseinandersetzung mit und die Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung.

Das Museum für Naturkunde Berlin steht für die Vielfalt der Menschen und der Natur.

Wir möchten eine diverse, vielfältige Gemeinschaft sein, in der sich die Menschen willkommen fühlen, unabhängig davon, woher sie kommen, welcher ethnischen Gruppe  sie angehören, welche Nationalität sie haben, welche Religion sie ausüben, wofür sie sich politisch und gewerkschaftlich einsetzen, wie alt sie sind, ob sie eine Behinderung haben, welche geschlechtliche Identität oder sexuelle Orientierung sie haben; eine Gemeinschaft, in der ALLE die Möglichkeit haben, sich zu entfalten und ihre beruflichen Ambitionen umzusetzen.

Wir distanzieren uns entschlossen und nachdrücklich von rassistischem Gedankengut, es ist mit einem offenen, dynamischen, evolutionären Weltbild nicht vereinbar. Die Einteilung der Menschheit in „Rassen“ hat zur Unterdrückung, Verfolgung, Versklavung und Ermordung von Abermillionen Menschen geführt. Auch heute noch wird der Begriff „Rasse“ im Zusammenhang mit menschlichen Gruppen vielfach verwendet. „Es gibt hierfür aber keine biologische Begründung und tatsächlich hat es diese auch nie gegeben“, stellen die Verfasser der Jenaer Erklärung fest*1 und weiter: „Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung.“ Nachdrücklich stellen wir deshalb fest: Es gibt keine menschlichen Rassen; die Theorien und Ideen, auf denen das Konzept menschlicher Rassen beruht, sind wissenschaftlich widerlegt. Wir verurteilen jede Art von Diskriminierung und Rassismus sowie alle Handlungen, die zur Unterdrückung von Menschen führen.

Die Black Lives Matter-Bewegung hat noch einmal sehr viel deutlicher gemacht, wie wichtig es ist, sich darüber Gedanken zu machen, was in der Welt geschieht. Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass People of Color, aber auch andere benachteiligte Gruppen, auch in Deutschland in allen Wissenschaftsbereichen unterrepräsentiert sind.*2 Es ist klar, dass auch das Museum für Naturkunde Berlin daraus Lehren ziehen muss. Wir werden im Lichte dieser Erkenntnis für unsere Institution handeln.

Die globalen sozio-ökologischen Herausforderungen, mit denen die Menschheit jetzt konfrontiert ist, beispielsweise das dramatische weltweite Artensterben, der Klimawandel oder auch Ungleichheit, können nur angegangen und gelöst werden, wenn wir die Vielfalt in unserer Wissenschaft, in unserem Arbeitsumfeld und in unseren Gemeinschaften wertschätzen und einbinden.

Wir leben in einer ungleichen Welt und Gesellschaft. Je größer die Ungleichheit, desto instabiler wird die Gesellschaft. Ungleichheit ist eine der Ursachen für die Verwundbarkeit von Gesellschaft. Sehr oft – wenn auch nicht immer - überschneidet sich Ungleichheit mit systemischen Rassismus und der Ausgrenzung bestimmter Gruppen. Ungleichheit muss angegangen werden, wenn wir die Krisen, vor denen wir stehen, überwinden wollen. Es gibt nicht nur eine einzige Erde, es gibt auch nur eine Menschheit!

Als Naturkundemuseum sind wir uns auch bewusst, dass und wie Museen zu dieser Ungleichheit beigetragen oder daraus Nutzen gezogen haben. Museen wie das unsrige haben strukturellen Rassismus durch fragwürdige Sammelpraktiken, fehlgeleitete Darstellungen von People of Color und durch die Verweigerung der Möglichkeit für People of Color, selbst zu entscheiden, wie ihre Geschichten erzählt werden, perpetuiert. Wir haben damit begonnen, uns mit diesem Erbe auseinanderzusetzen und notwendige Veränderungen vorzunehmen. Uns ist klar, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben.

Im Jahr 2012 haben wir das neue und bisher wohl einmalige Forschungszentrum Kultur- und Sozialwissenschaften der Natur eröffnet, da wir uns bewusst sind, dass wir die Geschichte unserer Sammlung, unserer Wissenschaft und unseres Museums untersuchen und kritisch reflektieren müssen. Einige Exemplare unserer Forschungssammlung, wie zum Beispiel die Tendaguru-Dinosaurier, sind mit der deutschen Kolonialgeschichte verknüpft. Die Aufarbeitung der Tendaguru-Expedition*3 durch unser Team und externe Kolleginnen und Kollegen zeigt, wie wertvoll und wesentlich diese Forschungsarbeit für unser Ziel One World - One Collection ist.*4 Deshalb setzen wir diese kritische Aufarbeitung und Forschung fort. Im Lichte dieses Wissens entwickeln wir neue globale Partnerschaften und stärken die internationale Zusammenarbeit.  

Wir werden unser Bewusstsein auf institutioneller und persönlicher Ebene für die immer noch tief verwurzelte systemische Ungleichbehandlung und den immer noch auch in der Wissenschaft vorhandenen Rassismus schärfen. Wir werden unsere entschlossenen Anstrengungen für mehr Vielfalt und breite aktive Beteiligung in der Wissenschaft weiter verstärken.

Wir wollen sicherstellen, dass jede Person, die im Museum Naturkunde Berlin arbeitet oder es besucht, sich willkommen, gehört und unterstützt fühlt. Wir legen Wert darauf, eine sichere und inklusive Institution zu sein, in der eine Kultur der Zusammenarbeit auf Augenhöhe gelebt wird und die für Menschen aus der ganzen Welt attraktiv ist.

Im Herbst 2020 werden wir unseren Strategieprozess beginnen, um den Weg unseres Museums bis zum Jahr 2030 zu skizzieren. In diesem Prozess werden wir unsere Zukunft als integriertes und offenes Forschungsmuseum entwerfen, skizzieren und planen: wissenschaftlich, relevant, reflektiert, vielfältig, global und einladend offen.

In diesem Prozess werden wir alle gemeinsam erneut unsere Werte und unser Handeln auch nach den hier genannten Grundsätzen reflektieren. Wir werden den Strategieprozess nutzen, um eine starke und vielfältige Gemeinschaft für ein nachhaltig resilientes, reflektiertes, innovatives, zukunftsorientiertes Museum für Naturkunde Berlin aufzubauen und zu fördern.

Deshalb werden wir uns folgenden Fragen stellen:  

•    Wie gut werden die Stimmen der verschiedenen Menschen innerhalb des Museums gehört und wie kann dies verbessert werden?  

•    Wie können wir die Vielfalt in unserer Institution fördern und aufrechterhalten, und wie können wir die verschiedenen Menschen, die im Museum arbeiten, oder es besuchen, am besten unterstützen und ermutigen?  

•    Wie können wir unsere Belegschaft, Leitungen, Gremien und Arbeitsgruppen zu einer breiteren Repräsentation einer vielfältigen Gemeinschaft machen?  

•    Wie werden wir noch relevanter für ALLE Menschen in Deutschland und der Welt?

Während dieses Strategieprozesses werden wir alle Beschäftigten des Museums sowie externe Freunde, Kolleg*innen und weitere Stakeholder einbeziehen, um uns bei der Entwicklung spezifischer Maßnahmen und Ansätze zur Erhöhung der Vielfalt der Mitarbeiter*innen und Wissenschaftler*innen unserer Institution zu unterstützen und ein sicheres und einladendes Umfeld für alle unsere Mitarbeiter*innen, Freiwilligen sowie Besucher*innen zu schaffen.

Wir werden die historische Aufarbeitung unserer Sammlung im Rahmen des Zukunftsplans des Museums und der damit verbundenen Sammlungserschließung und Digitalisierung weiter vorantreiben. Wir werden dabei weiterhin unsere Rolle in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kritisch reflektieren.   

Professor Johannes Vogel, Ph.D.        Stephan Junker
Generaldirektor                                     Geschäftsführer
    

Museum für Naturkunde Berlin

Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung (Berlin)

*1 Fischer, M.S. et al. (2019): Jenaer Erklärung – Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung. Biologie in unserer Zeit 49, 399-402. https://doi.org/10.1002/biuz.201970606

*2 Editorial board (2020). Why Black lives matter in science. Nature Methods 17, 645 (2020). https://doi.org/10.1038/s41592-020-0908-7

*3 Ina Heumann, Holger Stoecker und Mareike Vennen (2018). Dinosaurierfragmente. Zur Geschichte der Tendaguru-Expedition und ihrer Objekte, 1906 – 2018. 311 Seiten. Wallstein Verlag GmbH 2018, ISBN 978-3-8353-3253-9.

*4 Für ein aktuelles Beispiel für unseren offenen Informations – und Forschungsansatz – auch an diesen Dinosauriern - siehe: Díez Díaz et al. (2020) The Tail of the Late Jurassic Sauropod Giraffatitan brancai: Digital Reconstruction of Its Epaxial and Hypaxial Musculature, and Implications for Tail Biomechanics (https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/feart.2020.00160/full) und für die assoziierten offenen Daten siehe: Díez Díaz et al. (2020). Digital files and supplementary information on the musculoskeletal reconstruction of the tail of the sauropod dinosaur Giraffatitan brancai [Dataset]. Data Publisher: Museum für Naturkunde Berlin (MfN) - Leibniz Institute for Evolution and Biodiversity Science. https://doi.org/10.7479/xm1h-5806.

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