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Meteoritenfunde bei Berlin: Meteor als seltener Aubrit klassifiziert

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Bruchstück des Meteoriten im Größenvergleich mit einem Würfel
Pressemitteilung,

Erste chemisch-mineralogische Untersuchungen der Meteorite aus dem Streufeld des Asteroiden 2024 BX1, der am 21. Januar 2024 nordwestlich von Berlin nahe Ribbeck die Atmosphäre als Meteor durchschlug, wurden am Museum für Naturkunde Berlin erfolgreich durchgeführt. Der Meteor hat den Analysen zufolge eine seltene Zusammensetzung vom Typ Aubrit. Die Ergebnisse der Klassifikation wurden am 2. Februar 2024 bei der internationalen Nomenklaturkommission der Meteoritical Society zur Prüfung und Bestätigung eingereicht.

Es ist erst der achte Fall weltweit, für den die Kollision eines Asteroiden mit der Erde kurz vor dem Eintritt vorhergesagt wurde. Ein Team aus Forschenden und Studierenden des Museums für Naturkunde Berlin, des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, der Freien Universität Berlin, der Technischen Universität Berlin und dem SETI Institute (USA) auf der Basis von Streufeldberechnungen durch das Astronomische Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften mehr als 20 Proben für die Forschungssammlung des Museums für Naturkunde gesammelt. Die ersten Ergebnisse der Untersuchungen eines dieser Stücke mit der Elektronenstrahlmikrosonde des Museums für Naturkunde belegen die typische Mineralogie und chemische Zusammensetzung eines Achondriten vom Typ der Aubrite.

Auch der Aubrit, an dem erstmals dieses Material beschrieben wurde, befindet sich in der Forschungssammlung des Museums. Dieser fiel am 14. September 1836 bei Aubres in Frankreich.  "Anhand dieses Belegmaterials konnten wir relativ zügig eine grobe Einordnung vornehmen", erläutert Dr. Ansgar Greshake, wissenschaftlicher Leiter der Meteoritensammlung des Museums. "Das unterstreicht die immense Bedeutung von Sammlungen für die Forschung. Weltweit gibt es bisher erst von elf beobachteten Aubrit-Fällen Material in Sammlungen."

Aubrite sehen nicht aus, wie man sich allgemein Meteorite vorstellt. "Ein Aubrit ähnelt vom Aussehen her eher einem grauen Granit und besteht hauptsächlich aus den Magnesium-Silikaten Enstatit und Forsterit", erklärt Dr. Christopher Hamann vom Berliner Naturkundemuseum, der an der Erstklassifikation beteiligt war. "Er enthält kaum Eisen und die Schmelzkruste, an denen man Meteorite üblicherweise gut erkennen kann, sieht völlig anders aus, als bei den meisten anderen Meteoriten. Aubrite sind daher im Gelände schwierig zu erkennen."

Besuchende werden die Möglichkeit erhalten, einige der Bruchstücke, die sich nun in der Forschungssammlung des Museums für Naturkunde befinden, in der Ausstellung zu besichtigen. Informationen dazu folgen.

Auf dem YouTube-Kanal des Museums findet sich ein Video zur Erforschung des Materials am Museum für Naturkunde Berlin als Teil der Serie "Museums-Evolution".

Hintergrundinformationen

Am Museum für Naturkunde Berlin erforscht die Abteilung "Sonnensystem, Impakte und Meteoriten" die Entstehungs- und Kollisionsgeschichte unseres Sonnensystems, insbesondere der erdähnlichen Planeten und Kleinplaneten (Asteroiden). Diese entstanden vor mehr als 4,5 Milliarden Jahren durch fortschreitende Kollision und Zusammenballung von ursprünglich staubgroßen Partikeln. Zeugen dieser Prozesse sind vor allem chondritische Meteorite, die seit ihrer Entstehung kaum verändert wurden, aber auch Achondrite wie die Aubrite, die verschiedenen Stadien der Planetenentstehung dokumentieren. Ihr Studium erlaubt damit Rückschlüsse auf die Akkretion und Planetenbildung im frühen Sonnensystem und die damit verbundenen physikalischen und chemischen Parameter. 

Im Zuge dessen widmet sich die Abteilung auch den zentralen wissenschaftlichen Fragen, wie sich Planetenbildung unser Sonnensystem inklusive seines bewohnbaren Planeten Erde zu seiner heutigen Struktur entwickelt hat, aber auch, ob etwa ein kosmischer Transfer organischen Materials eine Grundlage zur Entstehung von Leben auf der Erde gelegt haben könnte. Zur Beantwortung dieser und weiterer wissenschaftlicher Fragestellungen trägt auch die Meteoritensammlung des Museums mit rund 12.000 Exemplaren von etwa 6.500 verschiedenen Meteoriten bei.

Pressebilder

Ein Bruchstück des Meteoriten im Größenvergleich mit einem Meteoriten Laura Kranich

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