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Presseinformation, Embargo bis Mi., 25.2.2015, 1 P.M. CST (20 Uhr MEZ)

Unter Beteiligung von Julia Fahlke vom Museum für Naturkunde Berlin veröffentlichte ein Forscherteam um Eric Snively (University of Wisconsin) in der Fachzeitschrift PLOS ONE eine Studie zur Beißkraft des Urwals Basilosaurus isis. Das 16 Meter lange Meeresungeheuer lebte vor 37 Millionen Jahren. Seit langem vermuten Fachleute, Basilosaurus habe andere Urwale gejagt und unter kräftigem Zubeißen deren Knochen zertrümmert. Die Modellierung der Beißkraft mit Hilfe der Finite-Elemente-Analyse bestätigt: Basilosaurus hatte die größte Beißkraft, die je für ein Säugetier ermittelt wurde. Die Kraft seiner Kiefer hätte gereicht, einen Kleintransporter anzuheben – mehr als genug, um Knochen zu brechen.

Basilosaurus isis war ein räuberisch lebender Verwandter der heutigen Wale, der im Eozän, vor ca. 37 Millionen Jahren, im Vorläufer des heutigen Mittelmeeres lebte. Urwale sind deshalb für Paläontologen so interessant, weil sie über die Entwicklung der modernen Wale aus landlebenden Säugetieren Aufschluss geben. Basilosaurus war schon voll an das Leben im Wasser angepasst. Er hatte einen schlangenartigen Körper von etwa 16 Metern Länge; allein der Schädel maß knapp 1,20 Meter. Am Schädel gab es große Ursprungsflächen für die Kaumuskeln, was einen brutalen Biss vermuten lässt.
Frühere Untersuchungen von Bissspuren an Schädeln kleinerer Urwale legen nahe, dass Basilosaurus auf diese Jagd machte und sie mit kräftigen Bissen in den Kopf tötete. Die Autoren untersuchten zunächst den Schädel des Meeresriesen genau, dessen Original sich am Museum of Natural History der University of Michigan in Ann Arbor befindet. Anschließend nutzten sie CT-Scans, um virtuelle Modelle zu erzeugen, Kaumuskeln zu rekonstruieren und das Zubeißen zu simulieren. Mit Hilfe spezieller Software für Finite-Elemente-Analyse, einem Verfahren aus dem Ingenieur-Bereich, konnte so die Beißkraft modelliert werden. Dabei wurden unterschiedliche Kieferbewegungen und Muskelaktivitäten in Betracht gezogen.
Die Ergebnisse der Analyse bestätigen die Möglichkeit der Jagd auf andere Urwale und legen nahe, dass Basilosaurus seine Beute zunächst mit den Vorderzähnen ergriff und seinen Unterkiefer beim Kieferschluss zurückzog, um dann mit den hinteren Zähnen noch stärker zuzubeißen. Die Auflagekraft betrug am dritten Vormahlzahn bis zu über 20 000 Newton, das ist vergleichbar mit der Beißkraft des Weißen Hai. Zwar liegt die Beißkraft von Basilosaurus unterhalb des Maximums bei großen Raubsauriern, sie übersteigt jedoch jede, die bislang für Säugetiere gemessen oder geschätzt wurde, inklusive die des Nilpferds mit der höchsten Beißkraft heute lebender Landsäugetiere und die des fossilen räuberischen Landsäugetieres Andrewsarchus.

Veröffentlicht in: SNIVELY, E., FAHLKE, J.M. & WELSH, R.C. Bone-breaking bite force of Basilosaurus isis (Mammalia, Cetacea) from the late Eocene of Egypt estimated by finite element analysis. PLoS ONE http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0118380