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Dem Gedächtnis der Gesteine auf der Spur: Der Bromacker ist 4 Millionen Jahre älter als bisher angenommen

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Eine Gesteinsprobe vom Bromacker; neben ein Lineal gehalten als Maßstab.
Pressemitteilung,

Wenn wenige Millimeter vier Millionen Jahre ausmachen: Im Rahmen des BROMACKER-Projekts hat ein Team von Wissenschaftler:innen – darunter Dr. Lorenzo Marchetti vom Museum für Naturkunde Berlin – herausgefunden, dass die berühmte Fossillagerstätte zwischen Tambach-Dietharz und Georgenthal im Thüringer Wald älter ist als bisher angenommen. 

Die Analyse einer nur wenige Millimeter dünnen vulkanischen Aschetuff-Schicht, die während der Grabung im Jahr 2024 entdeckt wurde, zeigte: Die fossilführenden Gesteine des Bromackers sind 294 Millionen Jahre alt – und damit vier Millionen Jahre älter als bisher angenommen. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift „Gondwana Research“ veröffentlicht. 

„Als wir die dunkle, rot-violette Aschelage freilegten, war der Unterschied zum umliegenden Gestein sofort sichtbar, und unsere Hoffnung, endlich datierbares Material gefunden zu haben, war groß“, sagt Sophie König, die für die Friedenstein Stiftung als Museologin im BROMACKER-Projekt arbeitet und Co-Autorin des nun veröffentlichten Artikels ist. „Dass dann tatsächlich brauchbare Zirkone in der Gesteinsprobe enthalten waren, kam für mich trotzdem überraschend. Wir freuen uns, das sehr erfolgreiche Bromacker-Projekt um einen wichtigen wissenschaftlichen Baustein erweitert zu haben.“ 

Um das Alter einer Ascheschicht datieren zu können, nutzen Wissenschaftler:innen die inneren Uhren der Gesteine, die in bestimmten Mineralen eingebaut sind. In diesem Fall kam das Mineral Zirkon infrage, das zwar sehr klein ist, aber das beste Langzeitgedächtnis hat. An der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurden Zirkonkristalle aus der am Bromacker gesammelten Gesteinsprobe extrahiert und an der TU Bergakademie Freiberg radiometrisch analysiert. 

Als einzige Einrichtung in Deutschland spürt man hier im metallfreien Reinraumlabor mittels U-Pb CA-ID-TIMS – einer Uran-Blei-Datierungsmethode – der Geschichte der Gesteine nach und kann so ihr Alter hochpräzise datieren. 

Das Ergebnis der neuen Altersdatierung hat Auswirkungen auf die Erforschung von Ökosystemen und Fossilien anderer Fossillagerstätten ähnlichen Alters, die sich wie der Bromacker auf dem Superkontinent Pangäa bildeten. Das Alter dieser Fossilien kann dank der Korrelation mit den nun genau datierten Bromacker-Fossilien besser bestimmt werden. 

„Diese außergewöhnliche Fossillagerstätte, die so viele Informationen über permische Ökosysteme liefert, benötigte eine präzise Datierung, um zu einer weltweiten Referenz für biostratigraphische, paläoklimatische und evolutionsbiologische Studien zu werden. Die sorgfältige Erkundung der Bromacker-Fundstelle ermöglichte diesen unerwarteten, aber dringend nötigen Fund einer Ascheschicht mit gut erhaltenen Zirkonkristallen”, sagt Dr. Lorenzo Marchetti, Erstautor und Wissenschaftler am Museum für Naturkunde Berlin.

Das neue Alter hat Einfluss auf das wissenschaftliche Verständnis von frühen Ökosystemen und Landwirbeltieren: Die Ernährungspyramide, wie wir sie heute kennen, entwickelte sich früher als bisher angenommen. Die Zeitspanne zwischen dem ersten Auftreten von Pflanzenfressern und der Entwicklung moderner Nahrungsnetzwerke war kürzer, was belegt, dass die Evolution der Bromacker-Lebewesen schneller vonstattenging als bisher gedacht. Dank der neuen Altersdatierung ist nun klar, dass all diese evolutionären Innovationen und der Übergang zu einem eher jahreszeitlichen Klima deutlich früher auftraten, als die Wissenschaftswelt bisher annahm. 

„Die Neudatierung der Fossillagerstätte ist Teil der vom Bund und dem Freistaat Thüringen geförderten BROMACKER-Kooperation und ein Paradebeispiel dafür, was wissenschaftlich möglich ist, wenn sich Fachleute aus unterschiedlichsten Institutionen für ein gemeinsames Projekt zusammentun. Bromacker hat sich zu einem innovativen und interdisziplinären Forschungs- und Wissenschaftskommunikations-Programm entwickelt, das auf einer jahrzehntelangen internationalen Zusammenarbeit aufbaut, und vor allem enormes Potenzial für die Zukunft hat“, sagt Dr. Tom Hübner, Leiter des BROMACKER-Projekts an der Friedenstein Stiftung Gotha. 

Publikation: Marchetti, L., Stubenrauch, J., Käßner, A., Tichomirowa, M., König, S., Pint, A. & Voigt, T. (2026). First high-precision radioisotopic age from the Permian Bromacker lagerstätte (Tambach Formation, Germany) and implications for biochronology and biota evolution. Gondwana Research, https://doi.org/10.1016/j.gr.2026.02.005

Eine Gesteinsprobe vom Bromacker; neben ein Lineal gehalten als Maßstab. © Lorenzo Marchetti
Ausgrabungsfläche am Bromacker mit freigelegten Gesteins- und Ascheschichten; Werkzeuge und Maßstab liegen im Grabungsschnitt. © Lorenzo Marchetti
Nahaufnahme von Probenrevolver und Glühdraht eines Massenspektrometers im Labor; eine Person mit Handschuhen hält diese fest. © Jörg Matschullat
Mikroskopaufnahme extrahierter Schwerminerale; unterschiedlich gefärbte und geformte Mineralkörner liegen auf hellem Hintergrund. © Jakob Stubenrauch
Mikroskopaufnahme von aus einer Gesteinsprobe extrahierten Zirkonkristallen; kleine längliche Kristalle liegen auf hellem Hintergrund. © Jakob Stubenrauch

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