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Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Eliana Buenaventura vom Museum für Naturkunde Berlin veröffentlichte eine neue Studie in Systematic Entomology, die sich mit der Genitaluntersuchung von männlichen Fleischfliegen (Sarcophagidae) und der Auswertung von mehr als 900 genetischen Datensätzen beschäftigt, um neue Erkenntnisse über die Evolution der Fleischfliegen zu gewinnen. Die Arbeitsgruppe konnte herausfinden, dass die traditionelle Klassifizierung von Fleischfliegen, die auf morphologischen Merkmalen einschließlich der männlichen Genitalien basiert, phylogenetische Beziehungen hervorruft, die mit den molekularen Daten in Konflikt stehen. Die Geschichte zur Evolution der Fliegenfamilie wird dadurch neu geschrieben. Als Aasfresser und Nährstoffrecycler sind Fleischfliegen nützlich für das Ökosystem und unentbehrlich für jeden einzelnen von uns.

Fleischfliegen (Sarcophagidae) sind eine der artenreichsten Fliegenfamilien. Die meisten Arten aus dieser Familie sind Aasfresser, d.h. sie legen ihre Eier auf toten Körpern ab, um ihre Larven damit zu ernähren. Dadurch werden die Nährstoffe recycelt. Daher sind Fleischfliegen sehr nützlich für das gesamte Ökosystem und sie sind dazu noch auf der ganzen Welt zu finden. An Fleischfliegen kann mittels DNA Untersuchung festgestellt werden, auf welchen Tieren sie gesessen haben. Dadurch können Rückschlüsse auf die Biodiversität in einem bestimmten Gebiet gezogen werden.  

Bisher gab es wenig molekulare Daten, um Fragen nach Evolution und Artenvielfalt zu beantworten. Das ändert sich mit der neuen Studie drastisch, die auf vielen neuen molekularen Daten aus verschiedenen Evolutionslinien innerhalb der sehr unterschiedlichen Fleischliegenfamilie sowie aus allen biogeographischen Regionen basiert. Es ist die Auswertung des größten molekularen Datensatzes, der jemals für eine phylogenetische Analyse einer Fliegenlinie gemacht wurde. Die Arbeitsgruppe konnte herausfinden, dass die traditionelle Klassifizierung von Fleischfliegen, die auf morphologischen Merkmalen einschließlich der männlichen Genitalien basiert, phylogenetische Beziehungen hervorruft, die mit den molekularen Daten in Konflikt stehen. So liefert die Überprüfung morphologischer Strukturen neue Erkenntnisse über die Evolution männlicher genitaler Merkmale innerhalb von Sarkophagiden und erzählt eine andere Geschichte über die Evolution dieser vielfältigen Fliegengruppe.

Eliana Buenaventura ist Leiterin der Zweiflügler-Sammlung des Museums für Naturkunde Berlin und arbeitet am neu gegründeten Zentrum für Biodiversitätsentdeckung des Leibniz-Forschungsmuseums. Etwa eineinhalb Millionen präparierte Fliegen und Mücken sind in der Forschungssammlung vorhanden und stehen als globale Forschungsinfrastruktur den Forscherinnen und Forschern weltweit für ihre Arbeit für Natur zur Verfügung. Die Sammlung ist eine äußerst wertvolle Ressource, da manche Arten heutzutage durch den Arten- und Ökosystemschwund gar nicht mehr in der Natur vorhanden sind. Andererseits werden immer wieder neue Arten in den Sammlungen gefunden und erforscht.

Publiziert in:

Eliana Buenaventura et. al. Anchored hybrid enrichment challenges the traditional classification of flesh flies (Diptera: Sarcophagidae). Systematic Entomology (2019), DOI: 10.1111/syen.12395

Fotos erhalten Sie hier:

http://download.naturkundemuseum-berlin.de/presse/Fleischfliegen

Die Bilder können Sie in Zusammenhang mit der Presseinformation für die Berichterstattung kostenfrei verwenden.