Direkt zum Inhalt

Uralte Zecke gibt ihre Geheimnisse preis

Trug eine vor 49 Millionen Jahren in Bernstein eingeschlossene Zecke (Ixodes succineus) bereits die heute bekannten Krankheitserreger in sich? Ein Forscherteam unter Leitung von Jason Dunlop, Museum für Naturkunde Berlin, veröffentlicht in der internationalen Fachzeitschrift BMC Evolutionary Biology neue Fakten über diese seltene fossile Zecke, die als möglicher Vorläufer des Gemeinen Holzbocks Ixodes ricinus gehalten wurde. Mit Hilfe der Röntgentomographie wurde jedoch festgestellt, dass der engste lebende Verwandte eine als Krankheitsträger bekannte asiatische Art ist: Ixodes ovatus. Einige Erreger gab es bereits vor 49 Millionen Jahren und Ixodes succineus war ein möglicher Überträger.      

Zecken sind sehr bekannte – wenn auch unbeliebte – Spinnentiere, die Blut saugen und gleichzeitig einige Krankheiten wie Lyme-Borreliose oder Fleckfieber übertragen können. Fossile Zecken sind extrem selten. Weniger als ein Dutzend Arten sind bekannt und die älteste stammt aus der Kreidezeit. Im jüngeren, etwa 49 Millionen Jahre alten eozänen Baltischen Bernstein findet sich ein Vertreter der artenreichsten Gattung, der Schildzecken (Ixodes). Ixodes succineus wurde 1964 beschrieben und befindet sich an der Universität Bremen. Die ursprüngliche Beschreibung schlug vor, dass I. succineus mit dem europäischen Gemeinen Holzbock Ixodes ricinus sehr eng verwandt sei.

Um diese Hypothese zu testen hat ein internationales Forscherteam aus Deutschland, der USA und Großbritannien unter der Leitung von Jason Dunlop aus dem Museum für Naturkunde Berlin, das Bernsteinfossil mit Hilfe der sogenannten Röntgentomographie neu untersucht. Diese Methode wird immer häufiger für Bernsteinfossilen verwendet und liefert maßgetreue Bilder der Anatomie. Damit kann das Fossil mit lebenden Zeckenarten in allen Bestimmungsmerkmalen verglichen werden. Das Ergebnis widerlegte die ursprüngliche Hypothese, das Ixodes succinius der Vorfahre des europäischen Gemeinen Holzbocks ist. Die Forscher fanden heraus, dass der nächste lebende Verwandte eine asiatische Art ist: Ixodes ovatus. Das bedeutet, dass im Eozän vor ca. 49 Millionen Jahren Schildzecken in Europa existierten, aber der heute bei uns lebende Holzbock  kein direkter Nachkömmling ist. Vielleicht kamen diese mit den Säugetieren nach der letzten Eiszeit zu uns nach Mitteleuropa aus Richtung Süden?

Wie die meisten Ixodes-Zecken ist die lebende Art Ixodes ovatus ein Krankheitsträger, von dem mehrere Erreger (Viren, Bakterien, Protozoen) bekannt sind. Trug das im Bernstein eingeschlossene Tier auch diese Krankheitserreger in sich? Direkt kann das nicht geprüft werden. Indirekt kann die Methode der molekularen Uhr angewendet werden. Dabei wird in der Literatur recherchiert, wann die von Zecken übertragenen Erreger vermutlich entstanden sind. Zum Beispiel ist der Ursprung der Lyme-Borreliose vermutlich deutlich junger als 49 Millionen Jahre. Bei den Piroplasmen (einer Gruppe parasitischer Einzeller die nur in Zecken vorkommen) und der Rickettsia Bakterien (Verursacher von Fleckfieber oder Kriegspest) gibt es Hinweise, dass die Erreger vor 49 Millionen Jahren vorhanden waren. Die Bernstein-Zecke hatte diese übertragen können. Dies wirft die Interessante Frage auf, ob die Evolution der Erreger mit denen der Überträger (Zecken) oder der Wirtstiere (Vögel und Säugetiere) verbunden war.            

Veröffentlicht in: Dunlop, J. A., Apanaskevich D. A., Lehmann, J., Hoffmann, R., Fusseis, F., Ehlke, M. Zachow, S. &. Xiao, X. 2016. Microtomography of the Baltic amber tick Ixodes succineus reveals affinities with the modern Asian disease vector Ixodes ovatus. – BMC Evolutionary Biology 16:203. DOI 10.1186/s12862-016-0777-y

Die komplette Publikation können Sie hier lesen:
https://bmcevolbiol.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12862-016-0777-y

Fotos und ein Video finden Sie unter folgendem Link zum Download:

http://download.naturkundemuseum-berlin.de/Presse/Bernsteinzecke/

Credit: Moritz Ehlke und Stefan Zachow – Zuse Institute Berlin (ZIB)

Die Fotos können zur Berichterstattung in Zusammenhang mit der Pressemeldung kostenfrei verwenden werden.