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Bisherige Studien beschäftigten sich hauptsächlich mit bedrohten Arten, obwohl die Gewinner von Umweltveränderungen die Zusammensetzung zukünftiger Ökosysteme bestimmen werden. Mareike Hirschfeld und Mark-Oliver Rödel aus dem Museum für Naturkunde Berlin erforschten daher die Gründe für das erfolgreiche Überleben von Arten in gestörten Regenwäldern. Hierzu untersuchten sie die Vorkommen von Froscharten in unberührten und anthropogen veränderten Wäldern sowie deren Eigenschaften, um die Arten, die die Regenwälder in einer vom Menschen dominierten Welt dominieren werden, zu identifizieren.

Tropische Regenwälder sind die diversesten terrestrischen Ökosysteme der Erde und beherbergen Millionen von verschiedenen Pflanzen- und Tierarten. Gleichzeitig sind diese Regionen die am stärksten gefährdeten Lebensräume weltweit. Sie haben den höchsten Prozentsatz an endemischen Arten und viele von ihnen sind daher als Biodiversitäts-Hotspots aufgeführt. Unberührte tropische Wälder nehmen mit dramatischer Geschwindigkeit ab und oft bleiben nur noch Mosaike von kleinen Fragmenten, die in landwirtschaftlichen Gebieten und menschlichen Siedlungen eingebettet sind. Diese dramatische Umwandlung von unberührten Waldlebensräumen ist ein weltweites Phänomen und ein wichtiger Grund für die aktuelle Biodiversitätskrise. Viele Arten haben in den letzten Jahrzehnten enorm in ihrer Häufigkeit abgenommen oder sind sogar ausgestorben. Allerdings sind nicht alle Arten rückläufig, einige überleben erfolgreich, andere nehmen in diesen stark gestörten Lebensräumen sogar in Abundanz zu.

Aufgrund ihrer semipermeablen Haut und ihres meist zweiphasigen Lebenszyklus mit aquatischen Kaulquappen und terrestrischen Adulten werden die Amphibien besonders durch die sie umgebende Umwelt beeinflusst. So machen der Verlust und die Veränderung ihrer natürlichen Lebensräume, aber auch der zunehmende Klimawandel sie besonders anfällig. Amphibien sind aktuell die am stärksten bedrohte Wirbeltierklasse, aber nicht alle Arten verschwinden in menschlich veränderten Landschaften. Warum reagieren verschiedene Arten auf Umweltveränderungen so unterschiedlich?

Bisherige Studien beschäftigten sich hauptsächlich mit den bedrohten Arten, den Verlierern von aktuellen Umweltveränderungen. Obwohl die Gewinner höchstwahrscheinlich zukünftige Ökosysteme dominieren werden, wurden diese bisher wenig beachtet. Mareike Hirschfeld und Mark-Oliver Rödel aus dem Museum für Naturkunde Berlin waren daher daran interessiert, die Gründe für das erfolgreiche Überleben von Arten in gestörten Lebensräumen aufzudecken. Hierzu nutzen sie einen pantropischen Datensatz über das Vorkommen von Froscharten in unberührten und anthropogen veränderten Wäldern und testeten, ob Lebenslauf-Merkmale, ökologische Merkmale oder die Größe ihres Verbreitungsgebiets die Überlebenswahrscheinlichkeit einer Art in gestörten Gebieten beeinflusst. Durch die Kombination verschiedener statistischer Ansätze zeigen sie, dass Arten mit einer direkten Entwicklung (Arten mit Kaulquappen), solche mit einem großen Verbreitungsgebiet, solche die unabhängig von Flüssen und in der Laubstreu leben am besten Veränderungen ihrer natürlichen Habitate tolerieren. Arten, die diese Eigenschaften teilen, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit in den gestörten tropischen Waldsystemen bestehen bleiben. So lassen sich zukünftige Froschgemeinschaften vorhersagen und damit die Arten mit einer zunehmenden Wirkung auf die Ökosysteme in der vom Menschen dominierten Welt zu identifizieren.

Publikation:

Hirschfeld & Rödel: What makes a successful species? Traits facilitating survival in altered tropical forests. BMC Ecology 2017 17:25; DOI:10.1186/s12898-017-0135-y

https://bmcecol.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12898-017-0135-y

Fotos erhalten Sie unter:

http://download.naturkundemuseum-berlin.de/presse/ErfolgreicheArt

Abb. 1: Der Verlust von tropischen Regenwäldern ist häufig auf die Konversion von Habitaten zu landwirtschaftlichen Nutzflächen wie Reisfeldern zurückzuführen. (c) Mark-Oliver Rödel, Museum für Naturkunde Berlin

Abb. 2: Froscharten mit unterschiedlichen Waldabhängigkeiten. Der Pfeifffrosch (Arthroleptis variabilis, links) ist weit verbreitet, nicht abhängig von Flüssen aufgrund seiner direkten Entwicklung, bevorzugt die Laubstreu und ist unseren Ergebnissen nach nicht abhängig von primären Wäldern; der Eifrosch (Leptodactylodon mertensi, rechts) ist im Vergleich in seiner Verbreitung limitiert, seine Kaulquappen entwickeln sich in Flüssen, er lebt in der Laubstreu und sollte Waldzerstörungen bis zu einem gewissen Grad tolerieren. (c) Mareike Hirschfeld, Museum für Naturkunde Berlin