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Lobbyist für die Natur und für die Insekten

Mark Benecke im Museum für Naturkunde Back to top

Lobbyist für die Natur und für die Insekten

Mark Benecke zu Gast im Museum für Naturkunde

Biologisch betrachtet, sei kein Lebewesen unwichtiger als der Mensch. Der Kriminalbiologe Mark Benecke sagt das nicht, weil er keine Menschen mag, sondern weil die Gesellschaft seiner Meinung nach gerade einfach wegschaut. Dabei sieht es düster aus: „Der Erde steht die sechste Auslöschungswelle in ihrer Geschichte bevor. Mit dem Insektensterben und dem weitreichenden Artensterben, zerfallen unsere Ökosysteme und unsere Nahrungsnetze“, mahnt Benecke bei seinem Vortrag „Fäulnis, Leichenfraß und das Insektensterben“ im Museum für Naturkunde am Montagabend. Und obwohl das Insektensterben von vielen beobachtet wird, bemängelt er: „Keiner guckt hin, obwohl wir ein echtes Problem haben und darüber reden müssen, wie wir die Artenvielfalt und Biodiversität schützen können.“

Als Kriminalbiologe arbeitet Benecke mit Insekten auf Leichen – die helfen den Kriminalkommissaren oft bei der Überführung von Tätern. Doch auch hier merkt er einen Rückgang an Insekten. Immer häufiger gehen Wespen an die Leichen. „Das hilft uns aus kriminologischer Sicht allerdings wenig, denn von Wespen können wir das Alter nicht bestimmen“, resümiert Benecke. 

Gut Dreiviertel der bekannten Insektenarten seien in 27 Jahren ausgestorben, zitiert Benecke die Krefelder Studie von 2017. „Doch das Problem ist noch viel größer: Kein Mensch auf der Welt weiß, wie viele Arten es überhaupt gibt. Und bei den Insekten, den Herrschern der Welt, erst recht nicht“, so Benecke. Es fehlen zwar flächendeckend Zahlen, das mache aber herzlich wenig aus, so der Biologe: „Vor Jahrzehnten wurde es für völlig unwahrscheinlich gehalten, dass Rauchen Lungenkrebs verursacht – oder dass das Medikament „Contergan“ das Erbgut schädigt. Nur weil das Zusammenbrechen der Ökosysteme und das Aussterben der Insekten unwahrscheinlich erscheinen, ändert es nichts daran, dass wir es hier mit einer Tatsache zu tun haben. In China müssen sogar Schulkinder in den Ferien bereits die Pflanzen bestäuben – es fehlt an den nötigen Insekten".

Vor dem Hintergrund dieser globalen Krise hat das Museum für Naturkunde Berlin 2018 das Zentrum für Integrative Biodiversitätsentdeckung gegründet. „Das Zentrum ist ein wichtiger Beitrag zur Erfassung von Millionen bekannter und noch unbekannter Tierarten, zur Erforschung ihrer Bedeutung für die Natur und ihrer möglichen Relevanz für die Lösung vieler Probleme, mit denen die Menschheit zurzeit konfrontiert ist“, betont Dr. Katrin Vohland, Leiterin des Forschungsbereich Wissenschaftskommunikation und Wissensforschung.


Mark Benecke mit dem Publikum im Sauriersaal des Museum, Fotos: Ines Benecke

Die Veranstaltung fand im Rahmen des Aktionsplans Leibniz-Forschungsmuseen statt. Weitere Veranstaltungen des Museums für Naturkunde finden Sie hier