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Neues Standardwerk über Strahlentierchen

Cover Buch Radiolarien

Das Museum für Naturkunde Berlin (MfN) ist ein Zentrum der Erforschung fossiler Radiolarien und spielt durch die Bereitstellung von digitalen Infrastrukturen eine globale Rolle in der fossilen Planktonforschung. Das nun erschienene Werk "Paleobiology of the Polycystine Radiolaria" ist das erste umfassende Buch über Radiolarien seit zwanzig Jahren, geschrieben von David Lazarus, Mikropaläontologe am MfN, in Kooperation mit japanischen Kollegen. Dieses Buch ist ein weiterer Beitrag dazu, Sammlungs- und Forschungsdaten global zur Verfügung zu stellen.

Radiolarien sind sand- bis staubkorngroße, einzellige Plankton-Organismen. Sie kommen im Meerwasser vor – und das schon seit Millionen von Jahren. Wegen ihrer schönen, glasartigen Skelette wurden diese Strahlentierchen schon seit langem untersucht, zum Beispiel im 19. Jahrhundert von dem berühmten Biologen Ernst Haeckel, der sie "Kunstformen des Meeres" nannte. Das Plankton des Ozeans bildet die Basis der meisten marinen Nahrungsketten und ist für den gesamten langfristigen Abbau von Kohlendioxid aus der Atmosphäre verantwortlich. Plankton ist daher entscheidend für die Gesundheit unserer Erde - von der Fischerei bis hin zu der Frage, wie die Erde auf die vom Menschen verursachte globale Erwärmung reagieren wird.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts konzentrierte sich die Wissenschaft meist darauf, fossil überlieferte Radiolarien in Sedimenten für die geologische Forschung, insbesondere die Erforschung vergangener Klimaveränderungen, heranzuziehen. Dabei wurde das Potential der Radiolarien zum Verständnis evolutionärer Prozesse weitgehend vernachlässigt. 

Neue Untersuchungen des lebenden Ozeanplanktons mit molekularen Methoden in den letzten Jahren haben gezeigt, dass Radiolarien im Plankton reichlich vorhanden sind und eine Schlüsselrolle im Ökosystem der Ozeane spielen. Trotzdem gab es bisher keine aktuelle Zusammenfassung von rezenten und fossilen Radiolarien.

"Paleobiology of the Polycystine Radiolaria" ist das erste umfassende Buch über Radiolarien seit zwanzig Jahren, geschrieben von David Lazarus, Mikropaläontologe am Museum für Naturkunde Berlin, in Kooperation mit japanischen Kollegen. Es greift die vielen Fortschritte in der Erforschung der Radiolarien in den letzten zwei Jahrzehnten auf. Das Buch vereint erstmals die molekularbiologische Forschung an lebenden Radiolarien und die Geschichte ihrer Erforschung. Es gibt einen ausgewogenen, kritischen Überblick über die Biologie, Ökologie und die fossilen Aufzeichnungen von Radiolarien, sowie über die Anwendung in der evolutionären, biostratigraphischen, klimatischen und paläoozeanographischen Forschung.

Das Museum für Naturkunde Berlin verwaltet den wissenschaftlichen Nachlass des ersten bedeutenden Radiolarienforschers, C. G. Ehrenberg, und darüber hinaus moderne Sammlungen von Tiefsee-Radiolarien, die für die aktuellen Forschungen von immenser Wichtigkeit sind. Das Museum ist ein weltweit führendes Zentrum für die Erforschung fossiler Radiolarien, aber auch für paläobiologische Studien anderer fossiler Organismen. Das Museum für Naturkunde Berlin spielt auch eine wichtige Rolle in der globalen fossilen Planktonforschung durch die Bereitstellung wichtiger digitaler Infrastrukturen. Die NSB-Datenbank wird von Forschenden weltweit für Studien über Ökologie, Evolution und Klimawandel genutzt. Über Internetverknüpfungen trägt sie wesentliche Informationen zur Erforschung der Taxonomie von für Mikrofossilien und Biodiversitäts-Referenzdatenbanken bei.  Hier finden Sie weitere Informationen über die mikropaläontologische Forschung am Museum und die NSB-Datenbank.