Direkt zum Inhalt

Netzwerk Naturwissen: Projekte

In der Ausstellung vor der Biodiversitätswand ist ein Gruppentisch mit einer Stehlampe aufgebaut. Mitglieder des Netzwerks kommen hier miteinander ins Gespräch.

Klimawandel, Artensterben oder Biodiversitätsverlust: Die Herausforderungen der Gegenwart können ganz offensichtlich nicht alleine bewältigt werden. Für ein umfassendes Bild braucht es ohne Frage einen multiperspektivischen Austausch. Das Museum für Naturkunde ist mit seinem Netzwerk Naturwissen Austragungsort einer Zusammenarbeit mit Partner:innen aus Berlin und Brandenburg. Im Laufe des Jahres sind gemeinsam mit unseren Netzwerkler:innen bereits einige inspirierende Projektideen entstanden. Wir freuen uns Ihnen diese hier nun vorstellen zu können.

Bitte beachten Sie, dass die Inhalte dieser Website aufgrund eines Cyberangriffs auf das Museum zum Teil überholt sind. Für aktuelle Informationen besuchen Sie uns gerne auf unseren sozialen Netzwerken.

TransformationsLab

Die Projektgruppe "TransformationsLab" besteht aus Anthony Owosekun (EMPOCA), Trang Trần (ehemals Theater an der Parkaue), Nils Erhard (Theater an der Parkaue) sowie Yari Or. Im Rahmen des Projekts entstand eine Workshop-Reihe, in der das Thema Artensterben an der Schnittstelle zu Anthropozentrismus, Rassismus und patriarchaler Gesellschaftsordnung dargestellt werden soll. Ziel ist Naturpädagogik-Diskurse diversitätskritisch und dekolonisierend neu zu orientieren.

Workshop: Gemeinsam für den Wandel – Artensterben, Rassismus und soziale Gerechtigkeit

14.10.2023, Veranstaltungssaal im Museum für Naturkunde Berlin

"Wie leben und sterben wir in diesem Moment des Aussterbens, wenn wir wissen, dass der Kolonialismus und sein fortbestehendes Erbe weiterhin das Leben und die Lebensgrundlagen so vieler Menschen auf diesem Planeten prägen – egal ob es sich um Menschen oder Nichtmenschen handelt?"
Juno Salazar Parreñas, Associate Professor Science and Technology Studies and Feminist, Gender and Sexuality Studies at Cornell University

Das TransformationsLab ist weit mehr als eine herkömmliche Tagung. Es ist eine Plattform, die das drängende Thema des Artensterbens aus einer intersektionalen und rassismuskritischen Perspektive beleuchtet, präsentiert von EMPOCAgUG, dem Theater an der Parkaue und dem Netzwerk Naturwissen. Hierbei rücken wir nicht nur die Isolation des Artensterbens in den Fokus, sondern auch seine tiefgreifenden Verknüpfungen mit Anthropozentrismus, Rassismus und patriarchalen Strukturen.

Die Veranstaltung widmete sich den komplexen Verbindungen zwischen dem Artensterben und den aktuellen sozialen sowie politischen Krisen unserer Zeit. Durch interaktive Workshops und inhaltliche Impulse wollen wir gemeinsam nach Handlungsmöglichkeiten suchen. Was geschieht, wenn Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Fachkenntnissen zusammenkommen, um die Herausforderungen des Artensterbens zu ergründen und kollaborativ sozial gerechte Lösungen zu entwickeln?

Referent:innen & Workshopleiter:innen:

  • Anthony Owosekun
  • Cassandra Ellerbe
  • Club Real
  • Grayson Earle

Workshop: Anders wird es sowieso – Virtual Reality-Ferienlabor für Kinder und Jugendliche

23.10. – 27.10.2023, Theater an der Parkaue

Wie könnte unser Zusammenleben im Klimawandel aussehen? Fühlen sich die Sonnenstrahlen auf der Haut noch so an wie im letzten Jahr? Trägt das Meer in zehn Jahren denselben Geschmack wie in diesem Moment? Wie leben wir mit anderen Menschen, Tieren, Pflanzen in einer Welt, die morgen schon anders sein wird? Gemeinsam mit der Künstlerin Can Rastovic experimentierten wir mit Bewegung, Malerei und eigenen Texten und ließen eigene Geschichten mit Virtual Reality lebendig werden.

Spiel des Lebens

Mit der Entstehung neuer Spiele zum Thema Artenkrise und Biodiversitätsverlust soll das Museum als Raum des Austausches fungieren. Die Projektgruppe besteht aus Dr. Martin Reich (BIOCOM AG) und Beschäftigten des Museums für Naturkunde.

Brettspielabend im Sauriersaal

29.01.2024 – Es war ein so ungewöhnlicher, wie spektakulärer Anblick: Im Sauriersaal des Museums für Naturkunde hockten Ende Januar 2024 an beschienenen Tischen wie Lichtinsel im regen Gespräch Spielende, die der Einladung des Netzwerks Naturwissen gefolgt waren. Kein Platz frei, die Tische voll. Auf ihnen: Karten, Würfel, Figuren, über die sich Köpfe beugten. All diese Menschen waren gekommen zu einer theoretischen wie praktischen Auseinandersetzung mit den Fragen von Evolution und Darwin. Kaum einer schließlich, der Wissen über Natur so maßgeblich verändert hat. Einerseits. Anderseits zeichnet sich gerade in diesen Tagen ein Trend in der Brettspieleszene ab: 

Dass nämlich evolutions-biologischen Themen sich einer besonderen Beliebtheit erfreuen. Der Brettspielhistoriker Christoph Willmes hat das in einem Eingangsvortrag im Sauriersaal auf den Punkt gebracht: Natur sei seit einiger Zeit ein Thema in Brettspielen, in der letzten Jahren lasse sich ein besonderes Augenmerk auf das Themenfeld Evolution und Darwin verzeichnen. In diesen Spielen stecke, so Willmers, das Potenzial der Vermittlung grundlegender wissenschaftlicher Konzepte und Theorien.

Dass es hier nicht nur um die Thematisierung (aktueller) naturwissenschaftlicher Erkenntnisse geht, sondern sehr auch um gesellschaftlicher, politischer und wissenschaftlicher Auseinandersetzungen wird spätestens dann sonnenklar, wenn der Blick etwa auf Eingriffsmöglichkeiten in diese Evolution gelenkt ist. Wieviel natürlich? Wieviel künstlich? Wollen wir dann, was wir können? Welche Bewertungsmaßstäbe sind angemessen? Welche Entdeckungen können wir vor einem solchen Hintergrund machen in Bezug auf museale Sammlungspraxis? Es ist also nicht nur eine naturwissenschaftliche Frage, die sich mit Spielen erkunden lässt, sondern auch eine, die die Geistes-und Sozialwissenschaften interessiert: Was stecken in solchen Spielen eigentlich für Wissen? Welche Gewissheiten und Wahrheiten vermitteln sie? Lassen sich in den Geschichten, in die wir uns spielend begeben Werte ablesen?

Ganz klar: Der Sauriersaal des Museums bietet für sie eine beeindruckende Kulisse. Ein solcher Abend ist aber dann weit mehr als ein nettes Serviceangebot. Warum? Weil er ausgehend von einem Thema Begegnungen ermöglichte. Vorher Unbekannte gerieten ins Gespräch über Artenvielfalt und Biodiviersitätsverlust. Darüber,wie unterschiedlich Zugänge etwa sind. Ob es sich lohnt, Spiele gezielt in der Wissensvermittlung einzusetzen? Dass diese Kontakte gerade momentan unendlich wichtig sind, zeigen die gesellschaftspolitischen Debatten allerorts.

Finding your nature through food

Das Teilprojekt "Finding your nature through food" entstand durch die Zusammenarbeit der Netzwerkler:innen Dr. Jan Dierks (NABU-Besucher:innenzentrum Rühstädt), Dr. Martin Reich (BIOCOM AG), Andrea Florez Jurado (Futurium) und Dr. Guillaume Dupont-Nivet (GFZ Helmholtz-Zentrum Potsdam).

Dialogforum: Nachhaltige Landwirtschaft im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg

11.09.2023, Burg Lenzen (Elbe) – Die nachhaltige Nutzung von Ressourcen in der Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei ist entscheidend für den Umweltschutz und die Ernährungssicherung. Doch unterschiedliche Sichtweisen über die optimale Nutzung der Landschaft können zu Konflikten führen. Daher ist ein konstruktiver Dialog notwendig, um Lösungen zu finden, die Biodiversität und Landschaft schützen. Wie wir unsere Kulturlandschaft gestalten, beeinflusst direkt den Klimaschutz, die Biodiversität und die Bodenqualität. Es wird immer klarer, dass wir unser Ernährungssystem im Hinblick auf die von den Landschaften erbrachten Ökosystemleistungen überdenken müssen. Vor diesem Hintergrund wollen wir gemeinsam Wege finden und Strategien entwickeln, um unsere Landschaft und Ernährung zukunftsfähig zu gestalten.

Beim Dialogforum "Nachhaltige Landwirtschaft im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg – Food for thought, food for us, food for the biosphere" auf der Burg Lenzen haben wir vielfältige Sichtweisen auf traditionelle, nachhaltige und innovative Formen der Landwirtschaft erhalten. 

In ersten Impulsvorträgen von Bettina Kühnast (BUND), Laura Henningson (NABU) und Konstantin Kiprijanov (Museum für Naturkunde Berlin) wurde zu Beginn in die Themen Biosphärenlandschaft Elbe-Brandenburg, Landwirtschaft und Naturschutz und Planetary Health eingeführt.

Während der anschließenden Exkursion ins Biosphärenreservat entfalteten unterschiedliche Fachleute vielfältige Blickwinkel auf die komplexen Verflechtungen verschiedener Formen der Landwirtschaft und Ernährung. Wir danken den Experten für die vielfältigen Einblicke in die Themenbereiche Jagd (Tim Taeger), Fischerei (Wolfgang Schröder), Aquaponik (Christopher Shaw), Bioökonomie und Fermentation (Martin Reich), vegane Ernährung (Johannes Stiegler), Deichrückverlegung (Heiko Bölk) und extensive Auwaldbewirtschaftung (Jochen Purps und Martina Grade).

Wie entscheidend das Zuhören und aufeinander reagieren ist, machte nicht zuletzt Kurt Holzkämper (MONAScollective) erfahrbar, der durch Mikrophonierung die für uns nicht hörbaren Spannungswellen eines Baumes hörbar machte. 

Zurück auf der Burg Lenzen diskutierten die Teilnehmenden die Frage, welche Chancen und Herausforderungen sich für die verschiedenen landwirtschaftlichen Zweige in der Region Elbtalaue-Brandenburg ergeben. Dabei wurde sowohl auf Missstände aufmerksam gemacht sowie erste Lösungsansätze und mögliche Kooperationen in Betracht gezogen.

Fotokollage die Ausschnitte aus dem Dialogforum und der Exkursion zeigt

Workshop "Finding your nature through food"

16.09.2023, Rühstädt – Die Art und Weise, wie wir Nahrung produzieren und uns ernähren, hat weitreichende Auswirkungen auf sowohl uns als auch unseren Planeten. Unsere Handlungen können Lebensräume zerstören oder vielfältige Kulturlandschaften mit Ökosystemleistungen schaffen. Unsere Zubereitungsarten von Mahlzeiten, unsere Essgewohnheiten und die damit verbundenen Rituale sind eng in unsere Kultur verwoben. Nahrung bildet eine Verbindung zwischen allen Lebewesen und Mahlzeiten dienen als Mittel des Austauschs und der Wissensvermittlung.

Zu Tisch! lautete  im NABU Besucher:innenzentrum Rühstädt das Motto des Workshop "Finding your Nature through Food". An drei Stationen haben die Teilnehmer:innen gemeinsam mit dem Projektteam lokale Produzenten getroffen und sind mit Ihnen über regionale Landwirtschaft ins Gespräch gekommen. Außerdem wurden bei den Exkursionen Nahrungsmittel gesammelt, die anschließend im Garten des NABU Besucher:innenzentrums in Rühstädt gemeinsam zu einer Mahlzeit zubereitet wurden.
In der Solawi Waldgarten konnten wir Einblicke in die Funktionsweisen der solidarischen Landwirtschaft erhalten. In der Fischerei Schröder gab es natürlich frischen, regionalen Fisch und dazu noch Einblicke in das Fischerei-Handwerk. Obst und Eier ließen sich direkt vor Ort in Rühstädt sammeln und zu Kuchen verarbeiten, die anschließend im holzbetriebenen Buschbackofen ausgebacken wurden.

Das gemeinsame Sammeln, Zubereiten und Essen hat einen sinnlichen, entschleunigten Zugang zu Natur und Nahrung gestiftet, der heutzutage oft etwas in den Hintergrund rückt. Besonders eindrucksvoll war, dass beinahe alle Nahrungsmittel und Utensilien aus der näheren Umgebung um Rühstädt stammten. Wir freuen uns, diesen Tag mit euch verbracht zu haben und die Projekte des Netzwerks, die vor wenigen Monaten nur Ideen waren, in die Tat umgesetzt zu sehen.

collage aus Bildern der Veranstaltung "Finding your Nature through Food"

Petrified Times: Energizing Past Futures

Das Anthropozän stellt nicht nur das Zeitalter des Anthropos dar, es ist potenziell auch die letzte Epoche des Homo sapiens: Durch die expansive und extraktivistische kapitalistische Wirtschaftsweise wird nicht nur in beispiellosem Maße Natur zerstört, sondern auch die Lebensgrundlagen menschlicher Gesellschaften vernichtet; das sechste Massenaussterben könnte damit auch die Spezies "Mensch" betreffen.

Im Rahmen des Netzwerk Naturwissen nähert sich die Projektgruppe "Petrified Times: Energizing Past Futures" diesem Thema aus der Perspektive der zwei zentralen Energieregime "Kohle" und "Atomenergie", die die Geschichte (post-)industrieller Gesellschaften und des Planeten geprägt haben. Dies geschieht anhand von zwei künstlerischen Forschungsprojekten, in denen die Dimension der ästhetischen Erfahrung eingesetzt wird, um unsichtbare, komplexe Zusammenhänge im Ökosystem und den planetarischen Stoffkreisläufen und deren Zeitdimensionen auf eine andere Weise zu vermitteln.

Hierfür arbeiten die Künstlerinnen Ulrike Mohr und Susanne Kriemann in eher unscheinbaren Sammlungsbeständen des Museums – denen der Minerale und Gesteine sowie der Paläobotanik. Die Gesteine Kohle (in Form von Holzkohle, aber auch Steinkohle) und Uraninit (Pechblende) stehen zum einen für die industrielle Revolution und zum anderen für das Atomzeitalter. Anhand dieser Gesteine und der Rohstoffe, auf die sie verweisen (als "Steine des Anstoßes"), wird der Themenkomplex der Entwicklung des Energiebedarfs extraktivistischer und kapitalistischer Gesellschaften zugänglich. Zugleich werden damit die tiefenzeitlichen Dimensionen, die sich hinter den Energieressourcen und ihrer Nutzung in den Kulturen der Gegenwart verbergen, erfahrbar: die schier unermesslichen Zeitdimensionen hinter den Energieressourcen, die seit Beginn des Anthropozäns vor gerade einmal 70 Jahren in radikaler Geschwindigkeit verbraucht wurden. Die künstlerischen Beiträge verhandeln damit auch das Aufeinandertreffen verschiedener Zeitskalen, von menschlicher Zeit und planetarer Zeit, das ein Kernproblem für die Frage darstellt, wie sich das Anthropozän überhaupt verstehen und darstellen lässt.

Erste Zwischenergebnisse der künstlerischen Recherche werden in einem experimentellen Format in der Ausstellung des Museum für Naturkunde am 27. November zu sehen sein. Das Ziel der künstlerischen Arbeiten ist es neue Reflexionsräume zu bieten, in denen mittels ästhetischen Erfahrungen das Verhältnis von menschlicher, spezifisch westeuropäischer Positionen und Welt (als umfassendes Ökosystem), der Zusammenhang zwischen menschlichem Handeln und dem Anthropozän als historisch-geologische "Zäsur" erfahrbar gemacht werden soll. Die finalen Arbeiten sollen anschließend an verschiedenen, auch ungewöhnlichen, themenspezifischen Orten gezeigt werden.

Das Projekt entstand im Rahmen des Netzwerk Naturwissen, eine Initiative des Museum für Naturkunde Berlin und seinen Partner:innen aus Berlin und Brandenburg.

Die Projektgruppe Petrified Times: Energizing Past Futures besteht aus Friederike Schäfer (FU Berlin), Elisabeth Heyne (MfN), Maike Weißpflug (Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung - BASE). Das Projekt entstand im Rahmen des Netzwerk Naturwissen, eine Initiative des Museum für Naturkunde Berlin und seinen Partner:innen aus Berlin und Brandenburg.

User Lab

Ziel ist das Entstehen eines Bauchladens mit Objekten, die die unterschiedlichen Projekte des Netzwerks symbolisieren. Dieser soll sowohl in den einzelnen Institutionen, als auch im Stadtraum zum Einsatz kommen. Betreut wird der Bauchladen von max. zwei Personen, die über die Gegenstände in Kontakt mit Personen kommen sollen. Wie können wir Menschen zuhören können, die sich für Naturwissen interessieren? Welche Angebote suchen sie? So kann ein Archiv entstehen, dass für die Netzwerkler:innen und seine Partner:innen zugänglich ist.

Projektzeitraum: September 2023

Epistemic Activism

Im Rahmen des Projektes entsteht ein Manifest für politische Bildung in öffentlichen Einrichtungen und Institutionen. Dabei geht es um politische Bildung als epistemische Dynamik in Bezug auf Klimakommunikation und -bildung und wie wir durch- und miteinander lernen können. Im Zentrum der Auseinandersetzung stehen Science-Citizenship, Aktivismus und Partizipation.

Projektzeitraum: November 2023