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Aktionsplan II der Leibniz-Forschungsmuseen (2020/21)

(c) Anita Hermannstädter

Das Museum für Naturkunde Berlin gehört zu den acht Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft. Ihre Sammlungen umfassen insgesamt weit mehr als 100 Millionen Objekte. Diese bilden das Fundament für Forschung zur Erdgeschichte und Artenvielfalt, Kultur- und Technikgeschichte sowie zum Erhalt des natürlichen und kulturellen Erbes. Mit ihren forschungsbasierten Ausstellungen an zwölf Standorten in Deutschland erreichen sie jedes Jahr Millionen von Menschen. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Wissensvermittlung.
 

Eine Welt in Bewegung

Globalisierung, Migration und Mobilität bringen nicht nur Menschen, Objekte und Wissen, sondern auch die Forschungsmuseen selbst in Bewegung: Wie reagieren die Museen auf aktuelle gesellschaftliche Transformationen und Herausforderungen wie Covid-19? Wie ermöglichen die Museen eine Teilhabe an Forschungsprozessen und Koproduktion von Wissen? Unter dem Motto „Eine Welt in Bewegung“ steht der zweite Aktionsplan der Leibniz-Forschungsmuseen. In vielen verschiedenen Formaten öffnen die acht Forschungsmuseen ihre Türen –  vor allem virtuell. Mehr dazu auf der Website der Leibniz-Gemeinschaft.

Das Museum für Naturkunde Berlin widmet sich den Auswirkungen und Möglichkeiten einer „Welt in Bewegung“ in Workshops, Vorträgen und Diskussionsforen. Bestehende Kooperationen in der Bildungs- und Konservierungsforschung werden weiter ausgebaut und die internationale Vernetzung verstärkt.
 

Dialog mit der Gesellschaft

Veranstaltungen und Werkstätten öffnen die Archive des Museums und laden zu einer Auseinandersetzung mit gesellschaftsrelevanter Forschung und aktuellen Museumsthemen ein:

Transkriptionswerkstatt

Die Transkriptionswerkstatt lädt dazu ein, aktiv zur Forschungsarbeit des Museums beizutragen. Alle zwei Wochen werden in der Werkstatt für Fortgeschrittene altdeutsche Handschriften in moderne Formate übertragen, regelmäßig stattfindende Anfängerkurse bieten einen Einstieg in das Lesen der Handschriften Kurrent und Sütterlin. Am 28. und 29. Oktober 2021 findet der Workshop „Partizipative Transkriptionsprojekte in Museen, Archiven, Bibliotheken – Ein praktischer Erfahrungsaustausch" statt, der die Basis für weitere Zusammenarbeit mit anderen Transkriptionsprojekten legt.

Live Talks mit Wissenschaftler*innen

Kaffeeklatsch mit Wissenschaft

Jeden ersten Sonntag im Monat bieten Wissenschaftler*innen beim Kaffeeklatsch mit Wissenschaft spannende Einblicke in ihre Arbeit. 

Museum Talks

#Wild Walk

Mit dem #WildWalk startet das Museum für Naturkunde Berlin ein Pop-Up Ausstellungsprojekt, um leerstehende Ladenlokale im Stadtraum temporär zu neuem Leben zu erwecken. Zusammen gegen den Lockdown-Blues, zusammen Stadtraum beleben, zusammen Menschen erreichen.
 

Werkzeuge des Wissenstransfers

Das Museum testet und erforscht innovative Formate der Wissenschaftskommunikation im Experimentierfeld, baut ein Kompetenzzentrum für Citizen Science sowie ein Science Policy Lab auf, um den Austausch zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik zu stärken. In Kooperation mit den anderen Forschungsmuseen wird die Bildungs- und Besucherforschung intensiviert.

Das Experimentierfeld für Partizipation und Offene Wissenschaft

Öffnung von Wissenschaft: Interessierte können in direkten Kontakt mit Wissenschaftler*innen treten – ob bei Kaffeeklatsch oder bei Live Talks. Lesen Sie hier mehr über das Experimentierfeld.

Das Biodiversity Policy Lab

Das Biodiversity Policy Lab analysiert Biodiversitätspolitik und initiiert öffentliche Debatten dazu. Ziel ist es, die Vielfalt von Arten, Genen und Ökosystemen zu einer öffentlichen Angelegenheit zu machen, für deren Erhalt und Nutzung Gesellschaften nachhaltig Sorge tragen müssen.

Entwicklung eines Kompetenzzentrums für Citizen Science

Alle Menschen können forschen! Und so ist es geplant, Citizen Science, oder auch Bürger*innenforschung genannt, als Ansatz für Forschung mit der Gesellschaft in allen acht Forschungsmuseen zu stärken. Workshops und Veranstaltungen mit Beteiligung und Einbeziehung der Öffentlichkeit sind dafür in Planung.

Bildungs- und Besucher*innenforschung

Gemeinsam mit den Forschungsmuseen und Instituten der Bildungsforschung werden im Bildungsnetzwerk Forschungsmuseen (BiFo) Vermittlungsformate entwickelt und gemeinsame Projekte der Bildungs- und Besucher*innenforschung initiiert. Darüber hinaus finden Besucher*innenbefragungen im Museum und online statt.

Citizen Science: Alle können forschen

Citizen Science Forschung zu Tierstimmen mit der App „Naturblick
 

Internationalisierung

Die internationale Zusammenarbeit wird in den Bereichen Konservierungs- und Provenienzforschung ausgebaut. Außerdem findet 2022 der zweite Global Summit of Research Museums statt.

Netzwerk Konservierungsforschung

Das Netzwerk Konservierungsforschung fördert den internationalen Austausch zu Konservierung und Sammlungsmanagement.

Denk- und Lernraum: Leitfaden zum Umgang mit naturkundlichem Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten

Das Museum beleuchtet in einer breiten Diskussion die politischen, rechtlichen und ethischen Aspekte von naturkundlichen Sammlungen. Sammeln und Forschen fand über Jahrhunderte hinweg in kolonialen Strukturen statt. Museen entwickelten sich zu Archiven kolonialer Materialien und Wissens, in denen die Welt nach westlichen Taxonomien geordnet und beherrschbar gemacht wurde. In Anknüpfung an aktuelle Diskussionen in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik steht die Auseinandersetzung mit der kolonialen Institutionen- und Sammlungsgeschichte des Museums im Mittelpunkt des Projekts. Ziel ist es, Empfehlungen zum Umgang mit naturkundlichen Objekten aus kolonialen Kontexten zu erarbeiten, die unter anderem in einen Leitfaden einfließen sollen.

Global Summit of Research Museums (GSRM) II am Deutschen Museum

Außerdem wird der zweite Global Summit of Research Museums vorbereitet. Gemeinsam mit allen Forschungsmuseen und der Smithsonian Institution wird der Themenschwerpunkt „Objects in Motion“ fortgesetzt. Der GSRM wendet sich an Führungskräfte aus verschiedenen Museumssparten weltweit und findet im Herbst 2022 im Deutschen Museum in München statt.

An der weltweit ersten Konferenz von Forschungsmuseen haben vom 4. bis zum 6. November 2018 insgesamt 232 Museumsvertreterinnen und -vertreter von 109 Einrichtungen aus insgesamt 24 Ländern teilgenommen.