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Presseinformation, 23. August 2019

Welche Frösche, Kröten, Blindwühlen und Salamander gibt es in Afrika? Egal ob Forschende oder Laien, die jeweilige Art schnell und einfach zu bestimmen, ist jetzt mit dem ersten Amphibien-Feldführer möglich, der vom Wissenschaftler des Museums für Naturkunde Berlin, Mark-Oliver Rödel, zusammen mit einem Kollegen aus Südafrika erstellt wurde. Das Buch soll auch dazu dienen, mehr über afrikanische Amphibien in Erfahrung zu bringen und so gegen das Amphibiensterben helfen.

Der allererste umfassende Feldführer gibt einen Überblick über 788 Frosch- und Krötenarten, 23 Blindwühlen- und vier Salamanderarten. Dafür haben sich die Wissenschaftler Mark-Oliver Rödel vom Museum für Naturkunde Berlin, und Alan Channing von der North-West Universität in Potchefstroom, Südafrika, zusammengetan. Das Ziel: Durch das Bestimmungsbuch „Field Guide to the Frogs and other amphibians of Africa“ Forschenden, Studierenden, Laien, Parkrangern und Touristen die Vielfalt der Amphibien auf dem afrikanischen Kontinent zugänglich zu machen. Mit dem Buch wird erstmals eine schnelle Bestimmung der einzelnen Arten möglich. Eine langwierige Recherchearbeit ist nicht mehr notwendig. Diese ist insbesondere für viele afrikanische Studenten, mit keinem oder nur schlechten Zugang zu internationaler Literatur meist unmöglich. Zu jeder Art gibt es ein oder mehrere Fotos, eine Kurzbeschreibung der wichtigsten Bestimmungsmerkmale, der Biologie und des Lebensraums sowie eine Verbreitungskarte, soweit bekannt. Insbesondere der Hinweis auf fehlende Informationen soll zu eigenen Beobachtungen anregen. Außerdem gibt es viele nützliche Tipps für die Feldforschung.

„Wir hoffen mit dem Buch dazu beitragen zu können, dass sich eine breitere Masse an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, aber auch Laien für die afrikanischen Amphibien interessieren“, sagt Mark-Oliver Rödel, Wissenschaftler am Museum für Naturkunde Berlin, und ergänzt: „Durch ein wachsendes Bewusstsein für die unterschiedlichen Arten und Lebensräume können Amphibien letztendlich besser geschützt werden.“ Der südafrikanische Zoologe Alan Channing, ergänzt: „Bislang gehören afrikanische Amphibien zu den am wenigsten erforschten Arten weltweit.“

Afrikas Amphibien-Vielfalt fasziniert die beiden Wissenschaftler. So lebt zum Beispiel der rote Gummifrosch, Phrynomantis microps, in den Savannen Westafrikas, wo es bis zu sechs Monate andauernde Trockenzeiten gibt. Da die Frösche nicht graben können, müssen sie andere feuchte Verstecke nutzen, um diese Zeit zu überleben. Um in den Kolonien der über zwei Zentimeter großen Kadaverameisen zu überleben, und für die Besitzer unsichtbar zu bleiben, produziert und verteilt der Frosch zwei spezielle Eiweiße auf seiner Haut. Ein weiterer Frosch mit „Superkräften“ ist der Kreideriedfrosch, Hyperolius nitidulus, der bei Temperaturen über 35 Grad Celsius seine Farbe von Braun nach Weiß wechselt, um die Sonnenstrahlen zu reflektieren und so nicht zu überhitzen. Die Biologie der meisten Amphibienarten Afrikas ist aber noch unbekannt. Die Autoren glauben, dass viele weitere spektakuläre Anpassungen zu entdecken sind.

Selbst die Artenzahl ist längst nicht erfasst. Rödel schätzt, dass es doppelt so viele Amphibienarten in Afrika gibt, wie bislang bekannt sind. „Wie schlimm das Amphibiensterben in Afrika ist, können wir so schwer sagen, weil es kaum alte Daten gibt, mit denen wir heutige Daten vergleichen können. Für die Zukunft ändert sich das jetzt hoffentlich durch unser Bestimmungsbuch“, meint Rödel.

Im Juni 2019 erschien das Werk bei Struik Nature, Penguin Random House, in Südafrika. Es ist ab September in Europa für 29,49 Euro als Taschenbuch oder als E-Paper (14,16 Euro) in englischer Sprache zu erwerben.

Fotos erhalten Sie hier:

http://download.naturkundemuseum-berlin.de/presse/FroschbuchAfrika